Die Sanierung der Elbe-Schule
Table of Contents
- Bericht zur Sanierung, Erweiterung und städtebaulichen Integration der Elbe-Schule Berlin: Infrastrukturmaßnahmen im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive
- 1. Einleitung und städtebaulicher Kontext
- 2. Historische Bausubstanz und Architektonisches Erbe
- 3. Strategische Planung und Bedarfsentwicklung
- 4. Phase I: Der Neubau des Mehrzweckgebäudes (MZG)
- 5. Phase II: Sanierung des Hauptgebäudes (Laufend)
- 6. Phase III: Freiraumplanung und Partizipation
- 7. Das Modellprojekt Elbestraße: Synergie von Schule und Stadt
- 8. Finanzierung, Kosten und Projektsteuerung
- 9. Schwierigkeiten und Risikoanalyse
- 10. Design und Pädagogik: Eine Synthese
- 11. Fazit und Ausblick
- Verwendete Quellen (Referenz-IDs):
- Links
Bericht zur Sanierung, Erweiterung und städtebaulichen Integration der Elbe-Schule Berlin: Infrastrukturmaßnahmen im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive
1. Einleitung und städtebaulicher Kontext
Die Elbe-Schule, gelegen in der Elbestraße 11 im Berliner Bezirk Neukölln (PLZ 12045), stellt ein signifikantes Fallbeispiel für die komplexen Herausforderungen und Chancen der Berliner Schulbauoffensive (BSO) dar. Als "kunstbetonte Grundschule" mit einem ausgeprägten Fokus auf Demokratiepädagogik und Inklusion ist sie nicht nur ein Bildungsort, sondern ein sozialer Anker im Reuterkiez, einem Gebiet, das durch hohe Bevölkerungsdichte, soziale Diversität und dynamische Gentrifizierungsprozesse geprägt ist.
Dieser Bericht analysiert die vielschichtigen Transformationsprozesse des Standortes, die weit über eine bloße Instandsetzung der Bausubstanz hinausgehen. Das Gesamtprojekt umfasst drei wesentliche, interdependent agierende Säulen: den Neubau eines Mehrzweckgebäudes (MZG) zur Erweiterung der räumlichen Kapazitäten und pädagogischen Möglichkeiten, die tiefgreifende Sanierung des historischen, denkmalgeschützten Hauptgebäudes sowie die Neugestaltung der Außenanlagen und des angrenzenden öffentlichen Raums im Rahmen des Modellprojekts "Fußverkehr".
1.1 Verortung im Fördergebiet
Die Maßnahmen sind eingebettet in die strategische Stadtentwicklung des Landes Berlin. Der Standort liegt im Sanierungsgebiet "Karl-Marx-Straße / Sonnenallee", was den Zugriff auf spezifische Fördermitteltöpfe wie "Lebendige Zentren und Quartiere" sowie das "Berliner Programm für Nachhaltige Entwicklung" (BENE 2) ermöglicht.1 Diese Einbindung unterstreicht, dass die Sanierung der Schule als integraler Bestandteil der Quartiersaufwertung verstanden wird. Ziel ist es, durch Investitionen in die Bildungsinfrastruktur die soziale Stabilität im Kiez zu sichern und gleichzeitig durch die energetische Ertüchtigung der Gebäude einen Beitrag zu den Klimaschutzzielen des Landes Berlin zu leisten.
1.2 Zielsetzung des Berichts
Ziel dieser Untersuchung ist es, den gesamten Projektzyklus von den ersten Machbarkeitsstudien um 2016 bis zur prognostizierten Fertigstellung der Außenanlagen und des Straßenraums im Jahr 2029 detailliert nachzuzeichnen. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der architektonischen Qualität, der baulichen und logistischen Schwierigkeiten ("Bauen im laufenden Betrieb"), der Anpassung der Bedarfsplanung an demografische Realitäten sowie der Finanzierungsstruktur. Es wird aufgezeigt, wie sich ursprüngliche Planungsziele aufgrund externer Faktoren (Baukostensteigerung, Fachkräftemangel, Schülerzahlenprognosen) verschoben haben und wie die Projektsteuerung darauf reagierte.
2. Historische Bausubstanz und Architektonisches Erbe
2.1 Das Erbe von Reinhold Kiehl
Das Hauptgebäude der Elbe-Schule ist ein architektonisches Zeugnis der Reformbewegungen des frühen 20. Jahrhunderts. Es wurde, wie zahlreiche öffentliche Bauten in Rixdorf (heute Neukölln), unter der Leitung des damaligen Stadtbaurats Reinhold Kiehl errichtet.4 Kiehl, der das Stadtbild Neuköllns maßgeblich prägte (u.a. Rathaus Neukölln, Stadtbad Neukölln), stand für eine Architektur, die funktionale Solidität mit repräsentativem Anspruch verband.
Die Schule wurde als klassische "Gemeindeschule" konzipiert. Ihre massive Ziegelbauweise und die großzügigen Fensterformate reflektieren die damaligen Forderungen nach "Licht, Luft und Sonne" für die Schulkinder, stellen jedoch heutige Sanierungsvorhaben vor spezifische Herausforderungen. Der Denkmalschutz spielt eine zentrale Rolle: Eingriffe in die Fassadengestaltung, die Fensterteilung oder die Dachkubatur unterliegen strengen Auflagen, die oft im Konflikt mit modernen Anforderungen an Wärmedämmung und Barrierefreiheit stehen.
2.2 Typologische Herausforderungen: Von der Flurschule zum Lernhaus
Das Bestandsgebäude folgt dem Typus der "Flurschule", bei dem Klassenzimmer entlang langer Korridore aufgereiht sind. Diese Struktur war auf Frontalunterricht ausgelegt und widerspricht in ihrer Starrheit modernen pädagogischen Konzepten wie dem "Berliner Lernhaus" oder "Compartment"-System, das flexible Lernlandschaften, Differenzierungsräume und Teamzonen erfordert.5
Die Sanierung musste daher Wege finden, diese historische Starrheit aufzubrechen. Dies geschieht durch:
- Die Schaffung von Durchbrüchen zwischen Klassenräumen für Team-Teaching.
- Die Nutzung der breiten Flure als erweiterte Lernbereiche (sofern brandschutztechnisch möglich).
- Die Auslagerung von Sonderfunktionen (Mensa, Aula, Fachräume) in den Neubau, um den Altbau zu entlasten und dort reine Lerncluster zu ermöglichen.
3. Strategische Planung und Bedarfsentwicklung
Die Planungsgeschichte der Elbe-Schule ist gekennzeichnet durch eine signifikante Zäsur, die die Flexibilität der Berliner Schulbauplanung illustriert.
3.1 Die ursprüngliche Planung: Maximale Erweiterung
Um das Jahr 2016/2017 ging die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie von stark steigenden Schülerzahlen im Prognoseraum Nord-Neukölln aus. Basierend auf diesen Daten wurde ein massives Erweiterungsprogramm für die Elbe-Schule beschlossen. Die ursprüngliche Planung (BPU - Bauplanungsunterlage) sah vor:
- Sanierung des Bestandsgebäudes.
- Neubau eines Mehrzweckgebäudes (als Ersatz für den Hort).
- Dachgeschossausbau (DG-Ausbau): Schaffung eines kompletten zusätzlichen Klassenzugs im Dachstuhl des historischen Gebäudes, um die Kapazität signifikant zu erhöhen.2
Diese "Maximallösung" zielte darauf ab, jeden verfügbaren Quadratmeter auf dem begrenzten innerstädtischen Grundstück zu aktivieren.
3.2 Die "Kipp-Entscheidung": Anpassung an die Realität
Im Verlauf der Projektumsetzung, spezifisch vor dem Jahr 2024, ergab eine aktualisierte Bedarfsprüfung ein verändertes Bild. Das Monitoring der Anmeldezahlen zeigte, dass der Bedarf an Grundschulplätzen in Nord-Neukölln "deutlich zurückgegangen" war.2
Diese demografische Trendwende führte zu einer weitreichenden strategischen Entscheidung: Der geplante Ausbau des Dachgeschosses wurde gestrichen.
- Begründung: Vermeidung von Überkapazitäten ("Leerrisiko") und Einsparung von Investitionsmitteln.
- Konsequenzen: Der Verzicht auf den DG-Ausbau reduzierte die bauliche Komplexität enorm. Ein Ausbau des Dachstuhls hätte massive Eingriffe in die Statik, den Brandschutz (zweiter Rettungsweg aus dem DG) und die Haustechnik erfordert.
- Mittelumschichtung: Die freiwerdenden Ressourcen konnten teilweise zur Deckung der allgemeinen Baukostensteigerungen in den anderen Projektteilen verwendet werden.
Diese Entscheidung demonstriert einen Paradigmenwechsel von der "Kapazitätserweiterung um jeden Preis" hin zu einer bestandsorientierten Qualifizierung ("Klasse statt Masse").
4. Phase I: Der Neubau des Mehrzweckgebäudes (MZG)
Das Herzstück der Erweiterung ist das neue Mehrzweckgebäude, das anstelle eines abgerissenen, eingeschossigen Hortgebäudes im Schulhof errichtet wurde. Es wurde von der Arbeitsgemeinschaft Müller Bußmann Architekten und Sting Architekten ELW entworfen und realisiert.6
4.1 Architektonisches Konzept und Design
Der Entwurf setzt einen bewussten Kontrapunkt zum historischen Ziegelbau.
- Kubatur und Dach: Das Gebäude ist zweigeschossig. Besonders markant ist das Dach, das in Längsrichtung "zweifach gefaltet" ist und ohne Dachüberstand mit der Fassade abschließt. Dies verleiht dem Baukörper eine skulpturale, fast abstrakte Anmutung.7
- Fassade: Eine "feingliedrige Glashaut" dominiert die Ansicht. Große Fensterflächen und ein explizites "Schaufenster" im oberen Foyer schaffen Sichtbezüge zum Altbau und zum Schulhof, was die Transparenz des pädagogischen Arbeitens symbolisiert.
- Materialität: Es kommen Holzfenster zum Einsatz, die eine haptische Wärme in die ansonsten kühle Glas-Beton-Ästhetik bringen.
4.2 Funktionale Gliederung
Das Raumprogramm des MZG löst die funktionalen Defizite des Altbaus:
- Erdgeschoss: Hier befinden sich vier Unterrichtsräume, die durch Türen direkt miteinander verbunden sind (Cluster-Option) und unmittelbaren Zugang zum Außenraum haben. Ergänzt wird dies durch Teamräume und barrierefreie Sanitäranlagen. Diese Räume dienen primär dem Ganztagsbereich und der Differenzierung.
- Obergeschoss: Über einen Aufzug und ein großzügiges Treppenhaus erschlossen, befindet sich hier der große Mehrzwecksaal. Dieser Raum ist multifunktional konzipiert:
- Mensa: Mit angeschlossener Ausgabeküche dient er der täglichen Mittagsversorgung.
- Aula: Ausgestattet mit Bühnentechnik, bietet der Saal die notwendige Plattform für die Theater- und Musikaufführungen der kunstbetonten Schule. Er ist auch Ort für das Schülerparlament und Elternversammlungen.8
4.3 Technische Ausstattung und Klimakomfort
Um den Spagat zwischen großen Glasflächen und sommerlichem Wärmeschutz zu meistern, wurde ein Low-Tech-Ansatz mit intelligenten Details gewählt:
- Verschattung: Außenliegende Jalousien (Raffstores) verhindern den solaren Eintrag im Sommer, ohne den Tageslichtbezug komplett zu kappen.8
- Lüftung: Das Konzept setzt primär auf natürliche Fensterlüftung ("Fenster auf"). Eine mechanische Lüftungsunterstützung (RLT-Anlage) kommt selektiv nur dort zum Einsatz, wo hohe Lasten zu erwarten sind: in der Ausgabeküche und CO2-gesteuert in den großen Unterrichtsräumen. Dies reduziert Wartungskosten und Energieverbrauch.8
- Gründach: Das gefaltete Dach ist extensiv begrünt, was zur Regenwasserrückhaltung und zur Verbesserung des Mikroklimas auf dem versiegelten Hof beiträgt.2
4.4 Bauablauf und Verzögerungen
Die Realisierung des MZG war ursprünglich für eine Fertigstellung im Jahr 2020 avisiert, verzögerte sich jedoch signifikant.
- Ursachen: Dokumentiert sind "personelle Engpässe bei den Ingenieurbüros" sowie "Schwierigkeiten mit Baufirmen".9 Dies spiegelt die überhitzte Marktlage der Berliner Bauwirtschaft wider, in der öffentliche Auftraggeber oft Schwierigkeiten hatten, Kapazitäten zu binden.
- Interimslösung: Nach der Fertigstellung (ca. 2021/2022) diente das MZG zunächst als unverzichtbares "Ausweichquartier". Klassen aus dem Hauptgebäude zogen rotierend in den Neubau ("Drehscheibe"), um im Altbau Baufreiheit für die dortigen Sanierungsarbeiten zu schaffen.6
5. Phase II: Sanierung des Hauptgebäudes (Laufend)
Nach Fertigstellung des Neubaus verlagerte sich der Schwerpunkt auf den historischen Bestand (Elbestraße 11).
5.1 Status und Zeitplan
Zum Stand Januar 2026 befindet sich die Maßnahme in der "2. Bauphase" der Hochbaumaßnahmen.
- Planungsgrundlage: Die revidierte Bauplanungsunterlage (ohne DG-Ausbau) wurde im Februar 2024 fertiggestellt und zur Plausibilitätsprüfung eingereicht.2
- Abschluss: Die Fertigstellung der Sanierungsarbeiten im Hauptgebäude wird für das Jahr 2026 prognostiziert. Dies ist die Voraussetzung für den Beginn der Hofgestaltung.
5.2 Bauliche Maßnahmen im Detail
Die Sanierung umfasst eine komplexe Matrix aus Substanzerhalt und Modernisierung:
- Energetische Hülle:
- Dämmung der obersten Geschossdecke (als Kompensation für den entfallenen Dachausbau und zur Heizkostensenkung).
- Innendämmung oder Kerndämmung an spezifischen Giebelwänden (Nord-Ost-Wand), wo der Denkmalschutz dies zulässt.
- Vorbereitung für eine Fassadenbegrünung am Giebel, die ökologische Nischen schafft und zur Kühlung beiträgt.2
- Fenster: Die historischen Kastenfenster werden teils aufgearbeitet, teils durch denkmalgerechte Holz-Isolierglasfenster ersetzt, um Zugluft zu minimieren und den Schallschutz zur Straße hin zu verbessern.
- Barrierefreiheit: Einbau eines energieeffizienten Aufzugs, der alle Geschosse des Altbaus erschließt – eine fundamentale Voraussetzung für Inklusion.
- Photovoltaik (PV): Installation einer PV-Anlage auf dem Dach des Altbaus. Dies ist eine Standardvorgabe im BENE 2-Programm und ein wichtiger Schritt zur Eigenstromversorgung der Schule.2
5.3 Bauen im laufenden Betrieb
Die größte logistische Herausforderung ist die Durchführung all dieser Arbeiten, während 270 bis 300 Schüler unterrichtet werden.
- Belastungen: Lärm, Staub und eingeschränkte Pausenflächen sind ständige Begleiter.
- Kommunikation: Die Schulleitung und Bauleitung müssen einen permanenten Dialog führen ("Jour Fixe"), um lärmintensive Arbeiten (z.B. Kernbohrungen) in die Nachmittagsstunden oder Ferien zu legen. Interviews mit der Schulleitung in der "Karlson"-Zeitung betonen die Notwendigkeit von Transparenz und Geduld bei Eltern und Lehrkräften.7
6. Phase III: Freiraumplanung und Partizipation
Erst nach Abschluss der Fassadenarbeiten und dem Abbau der Gerüste kann der Schulhof neu gestaltet werden. Der Hof ist aktuell durch die Baustelleneinrichtung stark beansprucht und versiegelt.
6.1 Partizipativer Entwurfsprozess
Die Planung des Schulhofs erfolgt nicht "top-down", sondern unter intensiver Einbeziehung der Experten vor Ort: der Kinder.
- Workshop: Im November 2024 fand ein Beteiligungsverfahren unter dem Titel "Kinder entwerfen ihren Schulhof" statt.10
- Ergebnisse: Die Wünsche der Schüler fließen direkt in den Entwurf ein. Zentrale Forderungen sind erfahrungsgemäß Rückzugsnischen ("Ruhebereiche"), Kletterangebote und Grünflächen. Da die Elbe-Schule eine Ganztagsschule ist, muss der Hof unterschiedliche Bedürfnisse (Toben vs. Entspannen) über den gesamten Tag hinweg abdecken.
6.2 Ökologische Aspekte ("Schwammstadt")
Ein technisches Highlight der Freiraumplanung ist das Regenwassermanagement.
- Konzept: Das Regenwasser vom Dach des Neubaus wird nicht einfach in die Kanalisation geleitet, sondern zur Bewässerung der Vegetation auf dem Schulhof genutzt.2 Dies entlastet die städtische Mischwasserkanalisation bei Starkregen und verbessert das Mikroklima durch Verdunstungskälte.
- Zeitplan: Die konkrete Planung startete im 2. Quartal 2024; die Realisierung wird sich an die Hochbaufertigstellung (ab 2026) anschließen.
- Kosten: Für die Planung der Außenanlagen wurden ca. 160.000 € veranschlagt.2
7. Das Modellprojekt Elbestraße: Synergie von Schule und Stadt
Die Sanierung der Elbe-Schule endet nicht am Schultor. Sie ist der Auslöser für eine grundlegende Umgestaltung des öffentlichen Raums vor der Schule.
7.1 "Fußverkehrsvorrangstraße"
Die Elbestraße wird zu einem der "Berliner Modellprojekte für den Fußverkehr" umgebaut. Dies ist eine direkte Reaktion auf die Verkehrssicherheitsbedürfnisse der Grundschüler.
- Status: Machbarkeitsstudie abgeschlossen (2024), Entwurfsplanung beauftragt.
- Beteiligung: Eine große öffentliche Vorstellung und Diskussion der Pläne findet am 11. Juli 2025 in der neuen Aula der Elbe-Schule statt.1 Dies unterstreicht die Rolle der Schule als "Community Center".
- Bauzeit: 2026 bis Ende 2029.1
7.2 Geplante Maßnahmen
- Verkehrsberuhigung: Der motorisierte Individualverkehr wird zugunsten von Fußgängern und Radfahrern zurückgedrängt. Dies entschärft die gefährliche "Elterntaxi"-Situation vor Schulbeginn.
- Mittelpromenade: Die historische Mittelpromenade der Elbestraße wird qualifiziert, entsiegelt und mit Sitzmöglichkeiten ausgestattet.
- Klimaanpassung: Erhalt des Baumbestandes und Anpassung an klimatische Anforderungen (Hitzeinsel-Effekt).
8. Finanzierung, Kosten und Projektsteuerung
8.1 Kostenentwicklung
Die Kostenanalyse offenbart die typische Dynamik öffentlicher Bauvorhaben in Zeiten der Inflation.
- Ursprüngliche Schätzung: Ca. 9,85 Mio. € (nur Sanierung/Erweiterung) bis 13 Mio. € (Gesamtmaßnahme inkl. Nebenkosten).6
- Kostensteigerung: In der BVV-Vorlage von 2024 wird eine "Mehrkostenprognose" von 5.912.969 € gegenüber der ursprünglichen BPU ausgewiesen.2 Diese signifikante Steigerung resultiert aus dem Baupreisindex und unvorhergesehenen Maßnahmen im Bestand.
- Budget-Management: Um die Liquidität zu sichern, wurden im Haushalt 2025 Mittel in Höhe von 350.000 € vom Projekt "KMS 52" (Karl-Marx-Straße 52) abgezogen und der Elbe-Schule zugewiesen.2 Dies zeigt die Flexibilität, aber auch die Knappheit der bezirklichen Investitionsmittel.
8.2 Förderstruktur
Die Finanzierung ist ein komplexes Mosaik ("Fördermittel-Cocktail"):
- "Infrastruktur in Sanierungsgebieten": Städtebaufördermittel.
- "Lebendige Zentren und Quartiere": Bund-Länder-Programm zur Stärkung innerstädtischer Bereiche.
- BENE 2 (EFRE): Europäische Mittel, die strikt an energetische Standards (z.B. PV-Anlage, CO2-Reduktion) gekoppelt sind.1
- Bezirkliche Investitionsmittel: Ergänzende Eigenmittel des Bezirks Neukölln.
8.3 Tabellarische Übersicht: Zeitplan und Kosten
Phase / Maßnahme | Zeitraum (Plan/Ist) | Status (Stand 01/2026) | Kosten / Budget |
Machbarkeitsstudien & Vorentwurf | 2016 – 2017 | Abgeschlossen | Teil der Gesamtkosten |
Neubau Mehrzweckgebäude (MZG) | 2018 – 2021/22 | Fertiggestellt & in Nutzung | Inkludiert in 13 Mio. € Basis |
Sanierung Hauptgebäude (Planung) | 2023 – 02/2024 | Abgeschlossen (BPU eingereicht) | Plankosten angepasst (- DG) |
Sanierung Hauptgebäude (Bau) | 2024 – 2026 | Laufend (2. BA) | Prognose: +5,9 Mio. € Mehrkosten |
Planung Außenanlagen (Schulhof) | ab Q2/2024 | Laufend (Beteiligung erfolgt) | Planungskosten ca. 160.000 € |
Realisierung Außenanlagen | ab 2026 | Ausstehend | Budgetierung im I-Plan |
Umbau Elbestraße (Fußverkehr) | 12/2024 – 12/2029 | Planungsphase / Bürgerbeteiligung | Fördermittel BENE 2 |
9. Schwierigkeiten und Risikoanalyse
Die Analyse der Projekthistorie identifiziert vier Hauptkategorien von Schwierigkeiten ("Pain Points"):
- Planungsunsicherheit durch Demografie: Die Streichung des Dachgeschossausbaus war ökonomisch rational, birgt aber ein langfristiges Risiko. Sollten die Schülerzahlen durch Zuzug (z.B. Neubauprojekte in Neukölln) wieder steigen, fehlt die nun nicht realisierte Flächenreserve. Die Schule ist dann "fertig saniert", aber potenziell zu klein.
- Abhängigkeit von Marktkapazitäten: Die Verzögerungen beim MZG 9 zeigen die Verwundbarkeit öffentlicher Bauherren. Wenn Ingenieurbüros wegen Personalmangels Planungen nicht liefern, steht die Baustelle still. Dieses Risiko besteht auch für die noch ausstehenden Außenanlagen.
- Belastung der Schulgemeinschaft: Eine Sanierung über 8-10 Jahre bedeutet, dass eine ganze Generation von Schülern ihre gesamte Grundschulzeit auf einer Baustelle verbringt. Dies erfordert enorme pädagogische Kompensationsleistungen (Lärmstress, fehlender Hof).
- Komplexe Förderbürokratie: Die Kombination aus EU-, Bundes- und Landesmitteln erfordert einen hohen administrativen Aufwand (Verwendungsnachweise, fristgerechter Mittelabfluss). Verzögerungen können hier zum Verlust von Fördermitteln führen ("Verfall von Mitteln").
10. Design und Pädagogik: Eine Synthese
Die Gestaltung der Elbe-Schule folgt dem Prinzip "Form follows Pedagogy". Das Design ist kein Selbstzweck, sondern dienendes Element für das Schulprofil.
- Kunst und Bühne: Das Profil als "kunstbetonte Schule" manifestiert sich im Mehrzwecksaal. Er ist nicht nur Essraum, sondern Bühne. Die Architektur gibt den Schülern Raum zur Darstellung, was das Selbstbewusstsein stärkt.8
- Demokratie als Raum: Die Partizipation bei der Hofgestaltung und die Nutzung der Aula für das Schülerparlament machen demokratische Prozesse räumlich erfahrbar. Architektur wird hier zum Werkzeug der Demokratiepädagogik ("Der Raum als dritter Pädagoge").
- Transparenz und Licht: Die großen Glasflächen des Neubaus von Sting Architekten stehen metaphorisch für eine offene Schule, die sich zum Stadtteil hin öffnet und Einblicke gewährt, anstatt sich wie historische Trutzburgen abzuschotten.
11. Fazit und Ausblick
Die Sanierung der Elbe-Schule in Berlin-Neukölln ist ein ambitioniertes Großprojekt, das exemplarisch für den Wandel der Berliner Schulbaukultur steht. Es zeigt die Abkehr von reiner Kapazitätserweiterung hin zu qualitativer Aufwertung und bestandsorientierter Anpassung.
Trotz erheblicher Schwierigkeiten – von Kostenexplosionen bis zu jahrelangen Verzögerungen – zeichnet sich ein positives Endergebnis ab: Ein moderner Campus, der Alt und Neu architektonisch anspruchsvoll verbindet, energetisch zukunftsfähig ist (PV, Gründach) und sich aktiv mit dem Stadtraum verzahnt (Modellprojekt Elbestraße).
Die kommenden Jahre bis 2029 werden entscheidend sein, um die Transformation des Außenraums erfolgreich abzuschließen. Wenn dies gelingt, wird die Elbe-Schule nicht mehr nur eine Schule an der Elbestraße sein, sondern das Zentrum eines verkehrsberuhigten, grünen Bildungsquartiers im Herzen Neuköllns.
Verwendete Quellen (Referenz-IDs):
- Umgestaltung der Elbestraße – Vorstellung und Diskussion der Entwurfsplanung - Berlin.de, accessed on January 17, 2026, https://www.berlin.de/ba-neukoelln/aktuelles/pressemitteilungen/2025/pressemitteilung.1577828.php
- Bezirksamtsvorlage Förderprogramm Lebendige Zentren Projektjahr 2025 Prioritätenliste KMS Sonne - Berlin.de, accessed on January 17, 2026, https://www.berlin.de/ba-neukoelln/politik-und-verwaltung/aemter/stadtentwicklungsamt/ausschussunterlagen/2024/maerz/bvv-vorlage_foerderprogramm_lebendige_zentren_pj2025_anlage_kmssonne.pdf?ts=1709561273
- Elbestraße – Sanierungsgebiet Karl-Marx-Straße / Sonnenallee, accessed on January 17, 2026, https://www.kms-sonne.de/projekte/strassen-plaetze-und-gruenflaechen/elbestrasse/
- accessed on January 17, 2026, https://www.bsgmbh.com/neues-mehrzweckgebaeude-der-elbe-schule-in-neukoelln/
- Erweiterung Schulstandort Sandinostraße, Berlin-Lichtenberg - Registrierte Wettbewerbe - Architektenkammer Berlin, accessed on January 17, 2026, https://www.ak-berlin.de/fachkompetenzen/wettbewerb-und-vergabe/registrierte-wettbewerbe/erweiterung-schulstandort-sandinostrasse-berlin-lichtenberg/
- Neues Mehrzweckgebäude der Elbe-Schule in Neukölln - BSG – Brandenburgische Stadterneuerungsgesellschaft mbH, accessed on January 17, 2026, https://www.bsgmbh.com/neues-mehrzweckgebaeude-der-elbe-schule-in-neukoelln/
- KARLSON - Juni 2017 | Ausgabe Nr. 4 - kms-sonne.de, accessed on January 17, 2026, https://www.kms-sonne.de/dokumente/Karlson_Ausgabe-4_web.pdf
- Elbe-Schule bekommt nach über 100 Jahren eine Aula – Sanierungsgebiet Karl-Marx-Straße / Sonnenallee, accessed on January 17, 2026, https://www.kms-sonne.de/karlson-4/elbe-schule-bekommt-nach-ueber-100-jahren-eine-aula/
- Mehrzweckgebäude Elbe-Schule – Sanierungsgebiet Karl-Marx-Straße / Sonnenallee, accessed on January 17, 2026, https://www.kms-sonne.de/karlson-7/mehrzweckgebaeude-elbe-schule/
- Elbe-Schule – Sanierungsgebiet Karl-Marx-Straße / Sonnenallee, accessed on January 17, 2026, https://www.kms-sonne.de/projekte/schule-und-jugend/elbe-grundschule/
- Umwandlung der Elbestraße in eine Fuß- und Radverkehrsvorrangstraße (Neukölln) - Berlin.de, accessed on January 17, 2026, https://www.berlin.de/sen/uvk/mobilitaet-und-verkehr/verkehrsplanung/fussverkehr/fussverkehrsprojekte/modellprojekte/elbestrasse/
- Elbe-Schule überarbeitet ihr Schulprogramm, accessed on January 17, 2026, https://www.elbeschule.de/post/elbe-schule-%C3%BCberarbeitet-ihr-schulprogramm
- Elbe-Schule-Neukölln, accessed on January 17, 2026, https://www.elbeschule.de/
- Was wir machen - Sting Architekten, accessed on January 17, 2026, http://www.sting-architekten.de/projekte/
Links
Der Stand der Sanierung der Elbe-Schule
