Stirb, Utopie!


An der Schule meines Sohnes ist eine Elterninitiative aktiv. Ihr Ziel: "Wir wollen, dass die Zusammensetzung der Schule so vielfältig wird, wie es auch der Kiez heute ist. Wir kämpfen gegen Segregation." 

Das hört sich gut und richtig an und wird von bildungsaffinen Eltern fast schon instinktiv unterstützt: Toleranz, Gerechtigkeit, Überwindung der Klassen. Desegregation? Klar. Allerdings: Funktioniert das denn? Es lohnt sich, mal genauer hinzuschauen. 


JÜL muss gut gemacht sein

Je heterogener eine Schülerschaft ist, desto mehr muss der Unterricht die divergierenden Ansprüche berücksichtigen. Die Kinder müssen da abgeholt werden, wo sie sind. Im Fachjargon: "Binnendifferenzierung". Wenn das nicht passiert, läuft der Unterricht an den Kindern vorbei. Heterogenität ohne Differenzierung schadet also.

Jahrgangsübergreifendes Lernen (JÜL), bei dem Kinder verschiedener Altersstufen gemeinsam lernen, bringt eine hohe Heterogenität der Schüler mit sich. Wenn JÜL nicht durch die entsprechende Differenzierung begleitet wird, dann schadet es.

Desegregation, bei der Kinder mit sehr verschiedenen Ausgangsvoraussetzungen gemeinsam lernen, bringt eine hohe Heterogenität der Schüler mit sich. Wenn Desegregation nicht durch die entsprechende Differenzierung begleitet wird, dann schadet sie. 

Der gleiche Wirkmechanismus.

Nicht ganz: Tatsächlich ist eine durch Desegregation entstehende Heterogenität schwerer zu handeln als eine durch JÜL entstehende. Denn Desegregation bringt nicht nur eine teils noch heterogenere Schülerschaft mit sich, sondern zusätzlich auch noch eine heterogene Elternschaft. 

Damit erwächst der Schulleitung und den Lehrkräften eine zweite Differenzierungsanforderung: nun muss a) der Unterricht differenziert werden, und b) die Elternarbeit.

a) Segregation im Klassenzimmer

Die letzte Schulinspektion 2018 attestierte der Elbe-Schule im Bereich "Differenzierung" ein "D", die schlechteste aller Wertungen. Es mag sein, dass es besser geworden ist, dafür gibt es allerdings keine handfesten Indikatoren. Sicher ist aber: Es reicht nicht.

Uns und anderen Eltern sagten Klassenlehrer:innen: "Wir können uns nicht ausreichend um ihr Kind kümmern, wir haben Kinder, die viel mehr Unterstützung benötigen." Ganz ähnlich die Schulleiterin Anfang 2026 auf einer GEV-Versammlung: "Wir haben hier eine sehr hohe Zahl an lernmittelbefreiten Familien, die gehen jetzt erstmal vor. Wir haben da massive Probleme". Informationen aus erster Hand. Ich verstehe das: Wer will arme, schwache Schüler schon hängen lassen? Die Starken sind ja stark, die verkraften das schon, wenn sie etwas hängen. 

Ich will nicht sagen, dass mein Sohn nichts gelernt hat, aber wirklich ausreichend gefordert und gefördert wurde er nie. Er und sein Freund langweilten sich schon kurz nach der Einschulung. In der Pandemie hatte ich extrem viel vorgelesen, er hat einen riesigen Wortschatz, eine überbordende Fantasie, die er nirgends einsetzen konnte. Er bekam Konzentrationsprobleme, interessierte sich bald nicht mehr. Das Schlimmste: Abschreiben, Rechtschreibung, langweilige Geschichten, langweiliger Satzbau. Erste innere Schuldistanz.

Ein gravierendes Risiko der Desegregation ohne entsprechende Differenzierung und pädagogische Begleitung besteht darin, dass soziale Unterschiede in der Klasse reproduziert werden, statt sie abzubauen. Die bei "desegregierten" Einschulungen teils massiven unterschiedlichen Voraussetzungen der Schülerschaft - eine Spanne von bis zu fünf Jahren - verschwinden ja nicht einfach. Desegregation bringt die Segregation also zuerst einmal ungeschminkt ins Klassenzimmer. 

Als sich an der Elbe-Schule die Kinder einer dritten Klasse regelrecht verfeindeten und der Konflikt partout nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte, nahmen gleich mehrere Eltern ihre Kinder von der Schule. Die ganze dritte Klasse wurde daraufhin aufgelöst.

Der Pool an Schüler:innen, die zu meinem Sohn passten, er war von Anfang an sehr überschaubar. 

Mein Sohn hospitierte gerade eine Woche lang an der Karlsgarten-Schule, unserer zweiten Wunschschule bei der Einschulung. Wir erhielten die Nachricht, dass dort nach den Sommerferien 2026 ein Platz frei werde. Wir freuten uns riesig.

An der Karlsgraten-Schule sind die Klassen wirklich heterogen in Bezug auf die Herkunft der Kinder. Der soziale Hintergrund allerdings ist ziemlich homogen. Auch der Lernstand. Und er ist hoch.

Ich sehe an meinem Sohn deutliche Anzeichen des so genannten "Big-Fish-Little-Pond-Effekts": Ein Schüler mit einer bestimmten Begabung entwickelt in einer leistungsschwächeren Klasse ein höheres Selbstvertrauen in seine Fähigkeiten („großer Fisch im kleinen Teich“) als in einer "Hochleistungsklasse" („kleiner Fisch im großen Teich“). 

Während der Hospitation hatte ich die Befürchtung, dass mein Sohn einen mentalen Einbruch erlebt. An der Karlsgarten ist er kein "großer Fisch" mehr, der alles mit links macht. Seine Mit-Dritties sind deutlich weiter als er. Er sagte: "Papa, die rechnen da schon richtig schwere Sachen." Aber es ist besser, diesen Schock in der 3. oder 4. Klasse zu erleben, als erst beim Übergang an die weiterführende Schule. Dachte ich. Aber so weit kam es gar nicht.

Nach einer Woche Hospitation lud uns die Schulleiterin zum Gespräch und teilte uns mit, dass man ihn nicht würde aufnehmen können. Sein Lernstand sei derart niedrig, dass die Lehrer:innen den Differenzierungsspagat nicht würden leisten können. Die Lehrer:innen kamen zu dem Schluss, ja, er sei sehr intelligent, verfüge über einen außergewöhnlichen Wortschatz, sei sehr eloquent und habe eine bewundernswerte Phantasie und er sei sozial auch sofort integriert gewesen, aber...

Der Lernstand. Die Schulleiterin bedauerte es zutiefst. Sie sehe ihn als klassisches Opfer mangelnder Differenzierung.

b) Segregation in der Elternschaft

Dass auch die Eltern-Differenzierung an der Elbe-Schule nicht funktioniert, das wurde mir bewusst, als ich zufällig herausfand, dass die Schulleitung heimlich die gesamte Elternschaft aus der Fortschreibung des Schulprogramms ausschloss (1) und sich im Nachhinein der gesetzlichen Transparenzpflicht verweigerte (2).

Der Hintergrund: Um Schulen besser zu machen, sollen turnusmäßig "alle am Schulleben Beteiligten" (SchulGesetz §8) befragt werden, wie sie bestimmte Merkmale ihrer Schule bewerten. Dabei kann von den Eltern auch Feedback zu Verbesserungsvorschlägen eingeholt werden. Daraus sollen dann Maßnahmen und Ziele zur Verbesserung der Schule abgeleitet werden.

Dieser turnusmäßige Prozess der Neujustierung einer Schule ist der einzige, für den eine Basisbeteiligung auf der Ebene der Erziehungsberechtigten gesetzlich vorgeschrieben ist. Es geht dabei also nicht um Gremien und Elternvertreter, sondern um die einzelnen Erziehungsberechtigten.

An der Elbe-Schule wurden die Elternvertreter nicht einmal informiert. Das widerspricht zwar dem Schulgesetz, in diesem Fall allerdings widerspricht das Gesetz wohl eher der Elbe-Schule.

Die Begründung der Schulleitung und des GEV-Vorstands, Zitat: "Die Eltern dieser Schule sind nicht interessiert". Die gesamte Elternschaft als uninteressiert zu kategorisieren, weniger Differenzierung geht nicht. 

Ausgerechnet die Zusammenarbeit mit Eltern allerding ist eine ganz wesentliche Grundvoraussetzung. Das weiß auch die Elterninitiative, sie verlinkt auf der Webseite selbst auf die Handlungsempfehlungen (4).

Klick für einen Blick in die Details der Handlungsempfehlungen: Die Elbe-Schule ist extrem schlecht aufgestellt.

Qualitätsmerkmale guter Elternarbeit (gekürzte Fassung)

QualitätsmerkmalZielHandlungsoptionen (Beispiele)
A. Willkommens- und Begegnungskultureinladende und freundliche AtmosphäreGestaltung des Schulgebäudes, Willkommensgespräche
gegenseitiger RespektVernetzung von Eltern untereinander, flexible Sprechzeiten, sprachsensible Kommunikation
B. Vielfältige und respektvolle Kommunikationregelmäßiger, anlassunabhängiger Informationsaustausch zwischen Schule und Elternwichtige Themen und Zeitpunkte für Kommunikation jährlich festlegen, Termine transparent machen
Schule und Eltern nutzen vielfältige Kommunikationswege und -formenInformationen auch an Eltern, die Veranstaltungen verpasst haben, stets zielgruppengerechte Kommunikationsform finden
regelmäßiger Austausch und Wissenstransfer bei Bildungsübergängenzusätzliche Gesprächsmöglichkeiten, Hausbesuche (wenn gewünscht), frühzeitige Informationsveranstaltungen
C. Erziehungs- und BildungskooperationEltern beteiligen sich an Schule und UnterrichtNetzwerk freiwilliger Helfer, Eltern helfen in der Ganztagsbetreuung, Eltern nutzen schulische Infrastruktur (z. B. Bibliothek, Sportvereine)
Eltern begleiten Kinder beim Lernenregelmäßiger Dialog über (Lern-) Entwicklung der Kinder, Lehrertipps an Eltern zur häuslichen Förderung, Eltern bei schulischen Aktivitäten dabei
externe Angebote (z. B. Vereine) sind in Schulalltag eingebundenNutzung von Vereinen, Volkshochschulen, u. a., um Eltern zu erreichen
Eltern als Fürsprecher für jedes KindEltern und Schüler vertreten ihre Interessen, Schule informiert über Kinderrechte, Diskriminierung und Einspruchsmöglichkeiten
D. Partizipation der ElternEltern kennen ihre Mitwirkungsrechte und -möglichkeitenSchule ermutigt Eltern zur Mitwirkung, Entscheidungen werden der Elternschaft transparent gemacht
Eltern aus allen Schichten und Gruppen sind entsprechend in Entscheidungsgremien vertretenElternvertreter in schulischer Steuerungsgruppe, Beteiligungsmöglichkeiten außerhalb der Gremien
Elternvertreter sind in die Netzwerke der Schule eingebundenEltern sind an Kooperation mit außerschulischen Akteuren beteiligt, Eltern stellen neue Netzwerkverbindungen her

 


Der weiße Elterninitiativen-GEV-Vorstand

In einer ebenfalls auf der Webseite der Elterninitiative verlinkten Studie(3) zu "neorassistischen Ein- und Ausschließungspraktiken im Kontext der Schule" wird die Behauptung, Eltern mit Migrationshintergrund seien oft desinteressiert, als Rassismus bezeichnet.

Schulleitung und GEV-Vorstand, unisono, Zitat: "Wir kennen die Eltern dieser Schule, die sind nicht interessiert". 

In derselben Studie wird auch gewarnt, dass Partizipationsmöglichkeiten an Schulen meist lediglich dazu führen, bereits privilegierten weißen Eltern zusätzliche Einflussmöglichkeiten in der Schule zu verschaffen, anstatt institutioneller Exklusion und Segregation entgegenzuwirken.

Es ist wichtig zu wissen, dass die Elterninitiative der Elbe-Schule eine Personalunion mit dem GEV-Vorstand bildet. Dadurch kann sie ihre Ziele, z.B. eben Desegregation, direkt in die GEV einspeisen. Zusätzliche Einflussmöglichkeiten.

Als Elterninitiative lockt der GEV-Vorstand neue Eltern an die Elbe-Schule. Mit "gegen Segregation", mit "besser als ihr Ruf" und "Wir wollen alle Eltern ermutigen, sich für ihre Kinder und ihre Schule im Kiez zu engagieren".

Als GEV-Vorstand verheimlicht die Elterninitiative dann den von ihnen selbst angeworbenen Eltern den einzigen basisdemokratischen Prozess der Schule. Oder blockiert ohne Mandat eine Abstimmung zur Einsetzung einer "Eltern-AG Partizipation", weil man, Zitat: "kein weiteres Gremium mit Eltern braucht".

Ein Elterninitiativen-GEV-Vorstand, der erst für eine Schule wirbt und dann echte Partizipation und programmatisches Engagement verweigert. Das geht solange gut, wie die Eltern tatsächlich desinteressiert sind. Was aber, wenn sie es sind? Kollateralschäden.

An der Elbe-Schule ist eine unangenehme Vollzugsgemeinschaft zwischen GEV-Vorstand und Schulleitung zu beobachten. Das Schulprogramm ist nicht das einzige, bei dem GEV-Vorstand und Schulleitung an den Eltern vorbei agieren. Auch beim Skandal der Elbe-Schule rund um einen BR24-Beitrag zum Thema Extremismus wurde klar, dass Schulleitung und GEV-Vorstand ohne Einbindung der Eltern und überhaupt irgendeiner Institution gehandelt hatten. Womöglich ist der Skandal erst durch diese "Inner-Circle"-Mentalität ermöglicht worden.

Das bewusste Vorenthalten von Informationen (z.B. eben das Schulprogramm) ist für bildungsaffine Eltern ein Vertrauensbruch, der genau das Gegenteil von dem bewirkt, was der Kampf gegen Segregation erreichen will: Er vertreibt die kritischen, engagierten Eltern und hinterlässt eine untote Struktur. Die Fallhöhe für "interessierte" Eltern, die das erkennen müssen, ist hoch.

Für Eltern wie mich, die Ehrlichkeit, Partizipation, Demokratie, Transparenz und vor allem einen kritischen Diskurs wertschätzen, die sich eine auch durch programmatische Eltern-Mitarbeit ständig verbessernde Schule wünschen, ist die Elbe-Schule definitiv die falsche Schule.


Ein Plädoyer für professionelle Segregation

Es ist an der Zeit, zu erkennen, dass die Elbe-Schule einen anderen Weg gehen sollte. Einen, den eine andere Schule schon vor längerer Zeit erfolgreich gegangen ist: die Karl-Weise-Schule.

Auch an der Karl-Weise-Schule nahm im Zuge der Gentrifizierung eine teils sehr fordernde, teils regelrecht invasiv auftretende Elterninitiative den Kampf gegen Segregation auf. Dort stieß sie allerdings auf die Skepsis der Pädagog:innen, ob die Differenzierung an der Karl-Weise überhaupt leistbar sei und deshalb nicht vielmehr den sozialen Frieden stört. Wie an der Elbe-Schule schaffte man es an der Karl-Weise nicht, eine kritische Masse zu erreichen, die die Sache zu einem Selbstläufer wie an der Karlsgarten-Schule hätte machen können. Zudem fehlten die Voraussetzungen.

Das erkannten auch die Bildungsbürger und nahmen ihre Kinder peu à peu enttäuscht wieder von der Schule. Die kehrte zu dem Modell zurück, das sie vorher hatte: Zu einem Modell, in dem Elternarbeit vor allem als Information über Entscheidungen der Schulleitung verstanden wird, anstatt als gemeinsamer Gestaltungsprozess. Die Karl-Weise-Schule wurde programmatisch (wieder) zu dem, was die Elbe-Schule jetzt ist. Mit zwei Unterschieden allerdings.

Erstens: An der Karl-Weise-Schule gab es nun keine Elterninitiative mehr, die mit ihrem  Desegregations-Kampf eine Heterogenität der Schüler- und Elternschaft erzwingen wollte. Mit dem Exodus der Bildungsbürger verschwand auch der Zwang zum Differenzierungsspagat.

Zweitens: die Karl-Weise-Schule hat sich stattdessen konsequent und sehr erfolgreich auf die lernmittelbefreiten Schüler und ihre pädagogischen Anforderungen ausgerichtet.

Im Hort der Schule wurde eine kostenlose Schulaufgabenhilfe mit mehreren Helfern installiert, so dass Schüler:innen dort gezielt bei ihren Aufgaben unterstützt werden. Die Pädagog:innen des eFöB-Bereichs haben damit nichts zu tun. Die Schulaufgabenhilfen kommen von extern angereist. An der Schule gibt es nur Schul-, keine Hausaufgaben. So wie es das Berliner Bildungsprogramm von Schulen fordert.

An der Elbe-Schule hat mein Sohn in den drei Jahren, in denen er da war, nicht ein einziges mal seine Schulaufgaben im eFöB-Bereich gemacht. Dafür aber ist eFöB da: die "erweiterte Förderung und Betreuung" hat die explizite Aufgabe, die Kinder bei den Schulaufgaben zu betreuen. Die Schulleiterin meinte dazu, mein Sohn habe es ja nie eingefordert. Ich habe in den drei Jahren, in denen ich dort Vater war, nicht ein einziges mal irgendwelche Kinder Hausaufgaben machen sehen. eFöB ist ein wichtiger Baustein für schulische Differenzierung.

Es ist wahrscheinlich, dass die professionell geförderten Low-Performer der Karl-Weise-Schule den durch den Differenzierungszwang zu kurz gekommenen Low-Performern der Elbe-Schule in Sachen Lernstand den Rang ablaufen. 

Die Karl-Weise wehrt sich nicht gegen "die weiße, bildungsbürgerliche Klasse". Aber sie stresst sich auch nicht damit, dass eine kleine Gruppe weißer Bildungsbürger tröpfchenweise andere weiße Bildungsbürger in die Schule lockt, nur um sie dann enttäuschen und auf dem Altar des Kampfes gegen Segregation verbrennen zu müssen, weil die Schule ihre Ansprüche nicht handeln kann.

Die Schulleiterin der Karl-Weise sieht ihre Schule auf dem richtigen Weg. Dort will man so eine Desegregation nicht. Dort geht es um die Kinder ihres Kiezes. Die gehen als "segregierte" Gruppe auf ihre Schule und profitieren dort von der Homogenität und der professionellen Spezialisierung. Die Karl-Weise-Schule verbesserte sich durch die kontinuierliche Professionalisierung derart, dass sie einen immer besseren Ruf bekam. Inzwischen wehrt sich das weiße Bildungsbürgertum dort nicht mehr reflexartig gegen die Karl-Weise-Schule. Die Folge: die Differenzierungsprobleme werden auch dort wieder zu groß.

Die Kinder der "weißen, bildungsbürgerlichen Klasse" gehen derweil zusammen mit denen der "nicht weißen, bildungsbürgerlichen Klasse" auf die Karlsgarten-Schule oder das Rütli-Campus (JÜL bis zum Abitur) und profitieren dort von der Homogenität und vor allem der professionellen Differenzierung. 

Auf ihrer Webseite verlinkt die Elbe-Elterninitiative auf eine Studie "Segregation an deutschen Schulen"(4). Darin steht: "Eine ausgewogenere Mischung von Schülern kann nicht 'von oben' erzwungen werden. Um die leistungshemmenden Effekte von schulischer Segregation abzumildern, müssen daher Maßnahmen ergriffen werden, um die Lernmöglichkeiten an segregierten Schulen gezielt zu verbessern."

Die Studie gibt dann konkrete Handlungsempfehlungen. Die aber wurden und werden an der Elbe-Schule nicht ansatzweise ausreichend umgesetzt, sie sind nicht einmal ein ausgerufenes Ziel. Im Gegenteil. Wenn die Schulleiterin der körperlich-geistigen Vielfalt damit begegnet, dass man sich "erstmal um die" bemühen müsse und nach der Maxime "die Eltern sind nicht interessiert" die Schule leitet, wenn das Personal im Hort Eltern fragt, Zitat: "Wieso sind sie mit Ihrem Kind denn überhaupt hier? Das ist doch eine Regelschule!", wenn Lehrer:innen offen sagen, sie seien mit der Differenzierung überfordert, dann wird klar, dass der "Kampf gegen Segregation" keine gemeinsame Vision ist und von diesen Akteuren gar nicht geführt wird. Ich will es klar sagen: Auch ich bin für die Durchmischung der Schülerschaft, auf jeden Fall. Das ist eine gute Sache. Das Problem: So lange die Voraussetzungen nicht geschaffen sind, schadet man den Kindern, den Lehrer:innen und den Eltern. An der Elbe-Schule waren mir selbst Ansätze kaum erkennbar.

Zitat aus der Studie: "Isolierte Maßnahmen, von denen sich einzelne Akteure Patentlösungen versprechen, sind nicht zielführend.

Die Elterinititive ist der einzelne, nicht zielführende Akteur. Man begrüsste ihn einst, so wie an der Karl-Weise-Schule. Dort aber merkte man, dass Desegration ohne die benötigten Voraussetzungen nicht funktioniert. An der Elbe-Schule nicht: An der Elbe-Schule ist es das weiße Bildungsbürgertum, das sich nicht eingestehen will, dass die Voraussetzungen fehlten und fehlen. Das aber wird in der Kommunikation mit interessierten Eltern verschwiegen.

Es ist gut gemeint, den Kampf gegen Segregation unterstützen zu wollen. Es sollte nur jedem klar gesagt werden: Vorsicht! Die Elbe-Schule ist nicht in der Lage, die nötige Differenzierung leisten zu können. Und das schadet den Kindern.

"Opfer mangelnder Differenzierung".

Ich hoffe, dass ich möglichst viele Eltern zumindest warnen kann. Schaut hinter die Kulissen und überlegt euch das zweimal, ihr eure Kinder für diesen Kampf hergeben wollt.

Und passt auf, dass man euch nicht kennt!

(1): Wie die Elbe-Schule heimlich ein neues Schulprogramm macht

(2): Die Elbe-Schule hält sich nicht an das Informationsfreiheitsgesetz

(3): Essay: "Die sind nicht unbedingt auf Schule orientiert“

(4): "Segregation an deutschen Schulen. Ausmaß, Folgen und Handlungsempfehlungen für bessere Bildungschancen"

 

 

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