Elbe-Schule adieu!
Ruhe! Esstäbchen!
Während meines Kampfes, meinen Sohn in der Elbe-Schule unterstützen zu dürfen, hatte ich mir die Konzepte durchgelesen, die den Rahmen für "gute" Schulen in Berlin definieren. Ich war vollkommen überrascht: "Qualitätsstandards", "Qualitätssicherung", "Transparenz", "Partizipation", "Bildungspartnerschaft mit Eltern", "Schule als Lebensraum". Wow! Ich war begeistert.
Ich sammelte erfolgreiche Maßnahmen anderer Grundschulen. Esstäbchen, um die Schul-Mensa ruhiger zu machen? Eine kreative Maßnahme einer Schüler-AG, die sich um mehr Ruhe in der Mensa kümmern sollte. Charmant und progressiv.
Das Berliner Bildungsprogramm ist klasse. Es lässt sich zwar unmöglich vollständig etablieren, aber es versteht sich selbst ja auch nur als eine Vision, deren Umsetzung auch in Teilen lohnenswert ist.
Die neuen Schulleiterin
Die Schulleitung hatte gewechselt. Eine kleine, quirlige Frau mit Dampf und Durchsetzungskraft. Türkin, Alevitin, Diplom-Pädagogin. Vor allem aber: Sie war selbst Schülerin an der Elbe-Schule. Ich war sofort beeindruckt.
Ich war mir sicher, dass mit ihr Qualitätsstandards, Qualitätssicherung, Transparenz ... siehe oben ... an die Schule kämen. Und dass dann so etwas, wie ich es im Hort erlebt hatte, künftig einfach nicht mehr vorkommen könne. Wertschätzung und Qualitätsstandards. Und ich sah die Chance auf ein echtes Mitwirken und eine substantielle Verbesserung der Schule.
Klasse! Endlich würde ich mich über Sofa-Tragen, Kamera-Ausflüge und Foto-Ausstellung hinaus auch thematisch an der Schule engagieren können.
Kommt an die Elbe-Schule!
Ich baute eine Webseite mit dem Ziel, Eltern besser über die Schule informieren zu können. Diese hier. Sie sollte jeden eingestellten Text, jeden Post automatisch in acht Sprachen übersetzen. Ich bin Programmierer. Letzten Endes ging es mir darum, Eltern an die Schule zu locken. Ich bot der Elterninitiative der Elbe-Schule an, ihre alte Webseite durch meine (diese hier) zu ersetzen und als Plattform zu nutzen, um schnell und barrierefrei Informationen für Eltern bereitzustellen.
Zuerst einmal sammelte ich sämtliche Informationen zur Schule. Alles was ich in die Finger kriegen konnte. Schulinspektion, Schulprogramm, alles. Wenn man etwas bewerben will, sollte man es kennen. Dabei fiel mir erstmals auch die mangelhafte Differenzierung "D" im Unterricht auf. Mein Thema mit meinem Sohn. Aber ich war in der Sammlungsphase, die Abstimmung mit anderen Eltern würde ja noch kommen.
Ich zeigte dem Vorstand der Elternvertreter meine Webseite, auch meinen Elternvertretern. Von denen erntete ich Kritik. Die Ergebnisse der Schulinspektionen seien zu negativ, damit würde man Eltern abschrecken. Vom Vorstand hörte ich nichts.
Ich bot an, sich mal zu treffen und über die Webseite, die anstehende Mitgestaltung der Schule und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten zu sprechen. Ich war gespannt, wie sie sich einbringen würden.
Niemand antwortete mir. Erst später wurde mir klar: Ich hatte ein Thema aufgeworfen, das dringend gemieden werden sollte. Denn Schulleitung und Vorstand der Elternvertreter hatten da schon längst beschlossen: Die Schule sollte ohne Eltern neu justiert werden.
Die implodierende Schulleiterin
Im Zuge dessen, was dann passierte, implodierte das schöne Bild der neuen Schulleitung. Die Tatsache, dass nicht nur mir, sondern der gesamten Elternschaft auf einen Schlag heimlich die Mitwirkungsrechte entzogen werden sollten, zerstörte das Vertrauen schlagartig. Als ich dann auch noch merkte, dass der Vorstand die Schulleitung dabei unterstützte und meine eigenen Elternvertreter auch nichts dazu zu sagen hatten, da verabschiedete ich mich innerlich von der Elbe-Schule. Das war einfach zu shady. Wer so agierte, dem konnte ich nicht vertrauen.
Der Traum von einer guten Schule im Aufbruch war geplatzt.
Im Nachgang fragte ich mich, warum das von der Schulleitung und dem Vorstand wohl so gemacht wurde. Was war das Motiv? Die gefundenen Antworten sind allesamt unangenehm.
Zitat Schulleitung: "Manche werden sich wundern, wie schnell ich diese Schule zur Vorzeigeschule gemacht habe." Jetzt wurde schon mal ein Film gedreht, in der die gute neue Leitung der Elbe-Schule gelobt wird. Demokratischer Charakter... "Enge Zusammenarbeit mit dem Familien...". Die großen Fortschritte...
Werbung für mehr Heteregonität. Beschleunigte Außendarstellung vor einer Fassade.
Kommt an die Karlsgarten-Schule!
Der uns plötzlich angebotene Platz an der Karlsgartenschule erschien da wie ein Schicksalswink. Er hat dort eine Woche hospitiert und mir vom Unterricht erzählt. Seine "Dritties", zu denen er dort ins JÜL gestoßen ist, sind deutlich weiter als seine dritte Klasse an der Elbe-Schule. Er ist vollkommen überrascht, in welchem Zahlenraum sie sich bewegen. Wir werden das, was die Elbe-Schule versäumt hat, nachholen müssen.
Ich beschäftigte mich mit der Karlsgartenschule, die von einer Elterninitiative zu einer der beliebtesten Schulen Neuköllns gemacht wurde. Und ich las über die Karl-Weise-Schule, die erfolgreich eine Elterninitiative abgelehnt hatte. Dort war die Elterninitiative erfolglos. Und das war gut für die Schule.
Dadurch erst verstand ich Die Elbe-Schule ist ein gescheiterter "Wir-machen-es wie-die Karlsgarten"-Versuch. Eine Karl-Weise-Schule mit untoter Elterninitiative, die ständig Differenzierung fordert.
Aus dieser Erkenntnis entstand mein Artikel "Plädoyer für mehr Segregation Spezialisierung."
