Das Berliner Bildungsprogramm an der Elbe-Schule
Hier wird das Berliner Bildungsprogramm (BBP), das als verbindlicher Rahmen für die Elbe-Schule gilt, vorgestellt.
Warum sollte man das Programm kennen? Das Berliner Bildungsprogramm beschreibt, wie eine Schule aussehen soll. Wer es liest, der wird sich wundern, denn es hat nicht mehr viel mit Schule zu tun, so wie die meisten Eltern Schule erlebt haben. Eltern als "Bildungspartner"? Die Schule als "Lebensraum"?
Viel Spaß! Es lohnt sich.
Man kann das Berliner Bildungsprogramm auch als PDF hier herunterladen.
Wichtig! Das Berliner Bildungsprogramm beschreibt nicht, wie es an der Elbe-Schule derzeit ist, sondern wie es an einer Berliner Ganztagsschule Schule grundsätzlich sein soll. Um festzustellen, wie es an der Elbe-Schule ist, gibt es diese Checklisten. Sie zeigen, wie weit das Programm an der Elbe-Schule umgesetzt ist.
Für Eilige:
Die Zusammenfassung des BPP
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Das große Ziel: Ein Ort zum Lernen und Leben
- Die Schule ist nicht mehr nur ein Ort für Unterricht.
- Sie soll ein „Lebensort“ sein, an dem Kinder den ganzen Tag gemeinsam verbringen.
- Kinder sollen dort gerne hingehen, sich sicher fühlen und mit Freude lernen.
- Das Berliner Bildungsprogramm ist wie eine Landkarte, die zeigt, wie eine moderne Grundschule aussehen soll.
Ein neuer Tagesablauf (Rhythmus)
- Der strenge 45-Minuten-Takt wird aufgelockert.
- Anstrengende Lernphasen, Zeit zum Spielen und Pausen wechseln sich ab.
- Es gibt keine klassischen Hausaufgaben mehr, die man erst zu Hause macht.
- Übungen und Aufgaben werden direkt in der Schule erledigt („Schulaufgaben“).
- Dadurch haben die Kinder am Abend wirklich Freizeit für ihre Familien.
Eltern als wichtige Partner
- Die Schule arbeitet eng und vertrauensvoll mit den Eltern zusammen.
- Eltern werden als Experten für ihre eigenen Kinder ernst genommen.
- Sie werden eingeladen, ihre eigenen Fähigkeiten in Projekte einzubringen.
Organisation und Leitung (Steuergruppen & ESL)
- Damit die Schule immer besser wird, gibt es spezielle Arbeitsgruppen.
- In sogenannten Steuergruppen planen Lehrer, Erzieher und oft auch Eltern gemeinsam die nächsten Schritte.
- Die erweiterte Schulleitung (ESL) behält den Überblick über all diese Gruppen.
- Die Schule prüft regelmäßig selbst, ob sie ihre Ziele erreicht hat.
Zusammenarbeit im Team
- Lehrer und Erzieher arbeiten nicht getrennt, sondern als ein festes Team.
- Sie bilden kleine Gruppen für jede Klasse („Klassenteams“).
- Sie planen den ganzen Tag gemeinsam und tauschen sich ständig aus.
- Auch andere Experten wie Sozialarbeiter oder Lesepaten helfen mit.
Lernen durch echtes Tun
- Kinder lernen nicht nur aus Büchern, sondern an echten Projekten.
- Sie stellen zum Beispiel eine Schülerzeitung her oder erforschen den Schulgarten.
- Die Schule nutzt auch die Stadt als Lernort und besucht Museen oder Betriebe.
- Lernen passiert überall: beim Spielen, beim Sport und sogar beim gemeinsamen Essen.
Alle Kinder gehören dazu (Inklusion)
- Kinder mit und ohne Behinderungen lernen und spielen gemeinsam.
- Jedes Kind wird so unterstützt, wie es das für seinen Erfolg braucht.
- Unterschiede zwischen den Kindern werden als Chance und Bereicherung gesehen.
- Niemand soll ausgegrenzt werden, egal woher er kommt oder was er kann.
Mitbestimmung und Demokratie
- Kinder lernen in der Schule, wie Demokratie funktioniert.
- Sie dürfen im Klassenrat oder Schulparlament ihre Meinung sagen und mitentscheiden.
- Sie helfen dabei, die Regeln für das Zusammenleben selbst aufzustellen.
- Die Kinder gestalten ihre eigenen Räume und den Schulhof aktiv mit.
Gesundheit, Essen und Bewegung
- Ein gesundes, gemeinsames Mittagessen ist sehr wichtig für die Entwicklung.
- Das Essen in der Schule ist eine Lernsituation, kein „notwendiges Übel“.
- Kinder bewegen sich viel, nicht nur im Sportunterricht, sondern den ganzen Tag.
- Es gibt „Bewegungsbaustellen“ und Angebote, die zum Toben einladen.
Wohlfühlen in schönen Räumen
- Die Schulzimmer sollen gemütlich sein wie ein zweites Zuhause.
- Es gibt Orte zum konzentrierten Lernen, aber auch gemütliche Ecken zum Ausruhen.
- Es gibt Rückzugsorte („Höhlen“ oder Verstecke), wo Kinder auch mal ohne Aufsicht der Erwachsenen sein können.
Gute Übergänge schaffen
- Der Wechsel vom Kindergarten in die Schule wird sanft vorbereitet.
- Pädagogen besuchen die Kinder schon in der Kita, um sie kennenzulernen.
- Auch am Ende der Grundschulzeit wird jedes Kind beim Wechsel in die nächste Schule gut begleitet.
Das BBP im Detail
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Inhalt
- Zusammenfassung: Die Ziele des Berliner Bildungsprogramms
- Im Detail: Das Berliner Bildungsprogramm
- Bildungsauftrag und Bildungsverständnis der offenen Ganztagsgrundschule
- Aufgaben der Pädagoginnen und Pädagogen in der offenen Ganztagsgrundschule
- Den Schulalltag gemeinsam mit Kindern und Eltern gestalten
- Formelle, informelle und halbformelle Bildungssituationen aufeinander abstimmen
- Relevante Themen in Projekten interdisziplinär bearbeiten
- Schulaufgaben als Beitrag zur Selbstständigkeitsförderung der Kinder organisieren
- Kinder mit besonderem Förderbedarf integrieren
- Räume gestalten und Material bereitstellen
- Die offene Ganztagsgrundschule als gesunde Schule gestalten
- Den Umgang mit der Zeit gestalten – Schule und Unterricht rhythmisieren
- Aufsicht als Erziehung zur Selbstständigkeit praktizieren
- Kooperationen gestalten
- Zusammenarbeit mit Eltern
- Aufgaben für eine gelingende Zusammenarbeit mit Eltern
- Übergänge und Verbindungen zwischen Familie und offener Ganztagsschule schaffen
- Eltern als Experten der Lebenssituation ihrer Kinder ernstnehmen
- Den Blick auf die Situation der Familie erweitern
- Interessensvertretung ermöglichen und fördern
- Kompetenzen der Eltern erkennen und nutzen
- Ehrenamtliche und institutionelle Angebote kombinieren
- Qualitätsentwicklung planen, Schulkultur gestalten, Schulqualität sichern
Qualitätskriterium S2: Koordination der Ganztagsschule
Qualitätskriterium S3: Qualitätsentwicklung
Qualitätskriterium P2: Schulischer Alltag
Qualitätskriterium P3: Qualitätsentwicklung
Qualitätskriterium G2: Ganztagskonzept
Qualitätskriterium G3: Qualitätsentwicklung
KOOPERATION

ZEIT
Qualitätsmerkmal K2: Das ganztägige Lernen wird durch alle Pädagoginnen und Pädagogen auf der Grundlage eines geklärten Bildungsverständnisses angeregt.
Qualitätsmerkmal K3: Die Kooperationen erfolgen auf der Grundlage vereinbarter und transparenter Kommunikationsstrukturen.
Qualitätsmerkmal K4: Eine bedarfsorientierte und geregelte Kooperation mit außerschulischen Kooperationspartnerinnen und -partnern im sozialräumlichen Netzwerk stärkt das Ganztagsprofil der Schule.
Qualitätsmerkmal Z2: Zeiten für die Zusammenarbeit aller Pädagoginnen und Pädagogen sind planmäßig verankert.
Qualitätsmerkmal Z3: Die Zeitstrukturen der Schule werden partizipativ entworfen und weiterentwickelt.
Qualitätsmerkmal Z4: Öffnungszeiten, Sprechzeiten und Termine sind verlässlich festgelegt und bekannt.
BILDUNGSELEMENTE
Qualitätsmerkmal B2: Die Förderung der Lebensweltkompetenzen der Schülerinnen und Schüler geschieht auf der Grundlage des einzelschulischen Ganztagsschulprofils.
Qualitätsmerkmal B3: Zwischen einzelnen Bildungselementen findet eine inhaltliche Verzahnung statt, um die Lerngelegenheiten der Schülerinnen und Schüler zu erweitern.
Qualitätsmerkmal B4: Die Bildungselemente werden partizipativ gestaltet, evaluiert und systematisch weiterentwickelt.
Qualitätsmerkmal V2: Schulverpflegung über den ganzen Tag ist sichergestellt.
Qualitätsmerkmal V3: Bei der Organisation der Verpflegungsangebote wird auf eine stressfreie Atmosphäre geachtet.
Qualitätsmerkmal V4: Gesundheitsfördernde Ernährung und Gesundheit sind Thema und Gegenstand in unterschiedlichen Bildungselementen.
Qualitätsmerkmal R2: Alle Räume sind Ganztagsräume und stehen zur bedarfsgerechten Nutzung zur Verfügung.
Qualitätsmerkmal R3: Die Räume werden in einem partizipativen Prozess gestaltet.
Bildungsauftrag und Bildungsverständnis der offenen Ganztagsgrundschule
Mit dem Wandel zur offenen Ganztagsgrundschule entwickelt sich die Schule von einer reinen Unterrichtsanstalt zu einem ganztägigen Lebens- und Lernort. Neben dem staatlichen Auftrag zur Vermittlung von Kompetenzen übernimmt die Schule verstärkt Erziehungs- und Betreuungsaufgaben, die früher bei der Familie lagen. Dies erfordert ein neues Rollenverständnis der Pädagogen, das nicht nur auf Wissensvermittlung, sondern auf die Begleitung der Biografie und Persönlichkeitsentwicklung der Kinder ausgerichtet ist.
Gesellschaftliche Grundannahmen
Das Programm geht davon aus, dass die Schule auf dynamische gesellschaftliche Entwicklungen reagieren muss. Dazu gehören die Entwicklung hin zu einer Wissensgesellschaft (lebenslanges Lernen), einer Risikogesellschaft (Notwendigkeit flexibler Biografien), einer anspruchsvollen Arbeitsgesellschaft sowie einer demokratischen Zivil- und Einwanderungsgesellschaft. Die Ganztagsgrundschule ist die organisatorische Antwort, um Kinder auf diese komplexen Anforderungen vorzubereiten.
Pädagogische Grundannahmen
Die offene Ganztagsgrundschule unterscheidet sich durch multiprofessionelle Teams (Lehrer, Erzieher, Experten), erweiterte Zeitstrukturen und eine variable Verweildauer der Kinder von der Halbtagsschule. Zentrale Prinzipien sind:
- Wohlbefinden: Nachhaltiges Lernen setzt voraus, dass sich Kinder in der Schule wohl und sicher fühlen.
- Subjektorientierung: Kinder sind handelnde Subjekte, die Freiräume für eigene Entscheidungen und Mitgestaltung benötigen, statt nur "pädagogisch verplant" zu werden.
- Recht auf Gegenwart: Kindheit ist nicht nur Vorbereitung auf die Zukunft; Kinder haben ein Recht auf freies Spiel, Muße und unbeobachtete Rückzugsräume ("Recht auf den heutigen Tag").
- Individualität und Gemeinschaft: Die Schule fördert die Gemeinschaftsfähigkeit, muss aber gleichzeitig die Individualität ("So-Sein") jedes Kindes wahren.
- Inklusion: Als Schule für alle integriert sie Kinder unterschiedlicher Herkunft, Begabung und Kinder mit Behinderungen ("Pädagogik der Vielfalt").
- Demokratie lernen: Durch Gremien wie den Klassenrat lernen Kinder frühzeitig demokratisches Handeln und Verantwortung.
Zum Bildungsverständnis der offenen Ganztagsgrundschule
Bildung wird im Sinne Humboldts als "Verknüpfung des Ich mit der Welt" verstanden. Bildung kann nicht "hergestellt" werden; sie ist ein aktiver Aneignungsprozess des Kindes.
- Rolle der Pädagogen: Sie begleiten das Kind, machen die Welt "fragwürdig" und unterstützen das forschend-entdeckende Lernen, statt nur Wissen zu vermitteln.
- Selbstbildung: Bildung setzt Gelegenheiten zur Eigenaktivität und das Vertrauen der Erwachsenen in die Selbstbildungsfähigkeit des Kindes voraus.
- Erziehung: Pädagogen fordern Kinder auf, eigene Überzeugungen zu entwickeln und Haltung zu zeigen, greifen aber bei Diskriminierung ein.
Bildungsbereiche und Bildungsziele
Die Bildungsziele (Stärkung der Urteilskraft, Ausdrucksfähigkeit, soziale Kompetenz) orientieren sich am Berliner Schulgesetz und den Rahmenlehrplänen.
- Erweiterte Chancen: Der Ganztag bietet Raum für zusätzliche Bildungsangebote jenseits des Unterrichts (z. B. Medienkompetenz, Projekte).
- Bildungsbereiche: Diese umfassen Sprache, Mathematik, soziale/kulturelle Umwelt, Naturwissenschaft/Technik, musisch-ästhetische Bildung sowie Ethik/Religion.
- Verzahnung: Vormittägliche (formelle) und nachmittägliche (informelle) Bildung müssen aufeinander bezogen sein. Die Verantwortung für die Förderung des Kindes ist unteilbar und liegt beim gesamten Team (Lehrer und Erzieher gemeinsam).
Aufgaben der Pädagoginnen und Pädagogen in der offenen Ganztagsgrundschule
Den Schulalltag gemeinsam mit Kindern und Eltern gestalten
Der Schulalltag besteht nicht nur aus Unterricht, sondern aus vielen kleinen Situationen (Begrüßung, Verabschiedung), die das Wohlbefinden und das Gemeinschaftsgefühl der Kinder prägen („heimlicher Lehrplan“). Pädagogen fungieren hier als Vorbilder.
- Übergänge gestalten: Der Übergang von der Kita in die Grundschule sowie der tägliche Wechsel zwischen Familien- und Schulkultur erfordert enge Kommunikation. Pädagogen sollten die Vorerfahrungen und Erwartungen von Kindern und Eltern aktiv erfragen und die Lebenswelt der Kinder (z. B. durch Erkundung des Wohnumfelds) in die Schule holen.
- Laufbahnberatung: Am Ende der Grundschulzeit unterstützen Pädagogen die Kinder und Eltern bei der Wahl der weiterführenden Schule, indem sie Potenziale stärken, Ängste nehmen und transparente Rückmeldungen über den Leistungsstand geben.
Formelle, informelle und halbformelle Bildungssituationen aufeinander abstimmen
Die Ganztagsschule bietet die Chance, verschiedene Lernformen zu verknüpfen, was eine enge Abstimmung zwischen Lehrern und Erziehern erfordert.
- Formelle Bildung: Obligatorische, geplante Lernsituationen (klassischer Unterricht), gesteuert durch Lehrpläne.
- Informelle Bildung: Selbstbestimmtes Lernen im Alltag und Spiel. Kinder folgen eigenen Interessen. Dies ermöglicht Pädagogen, Kinder jenseits von Leistungsdruck neu kennenzulernen, birgt aber das Risiko der „Überpädagogisierung“ freier Räume.
- Halbformelle Bildung: Pädagogische Angebote (z. B. AGs), zwischen denen Kinder wählen können. Hier werden Themen der Kinder (z. B. Fragen an die Welt) mit professioneller Hilfe vertieft.
Relevante Themen in Projekten interdisziplinär bearbeiten
Das Mehr an Zeit soll für Projektarbeit genutzt werden, bei der Kinder und Erwachsene verschiedener Professionen an gemeinsamen Vorhaben arbeiten.
- Themenwahl: Themen sollten sich an der Lebensrealität und den Fragen der Kinder orientieren (z. B. Freundschaft, Umwelt, Medien) oder präventiv wichtige gesellschaftliche Probleme aufgreifen.
- Lernen in der Wirklichkeit: Projekte sind forschend-entdeckend und ergebnisoffen. Die „Stadt als Schule“ wird einbezogen (Experten, außerschulische Lernorte).
- Rolle der Pädagogen: Sie sind Lernbegleiter, die nicht auf alles eine Antwort haben müssen, sondern gemeinsam mit den Kindern forschen. Planung und Dokumentation erfolgen zusammen mit den Kindern.
Schulaufgaben als Beitrag zur Selbstständigkeitsförderung der Kinder organisieren
In einer Ganztagsschule haben klassische „Hausaufgaben“ (die zu Hause erledigt werden) keinen Platz mehr. Sie werden zu „Schulaufgaben“.
- Konfliktfeld: Oft werden Erzieher am Nachmittag zu bloßen „Hausaufgabenwächtern“ degradiert.
- Lösung: Integrierte Übungszeiten (Freiarbeit) im rhythmisierten Tagesablauf, sowohl vormittags als auch nachmittags.
- Ziel: Kinder erledigen Übungen, Vokabellernen oder Recherchen selbstständig in der Schule, unterstützt von Lehrern und Erziehern. Es geht um Anleitung zur Selbstständigkeit statt um Kontrolle.
Kinder mit besonderem Förderbedarf integrieren
Inklusion ist der Regelfall. Kinder mit Behinderungen oder besonderen Begabungen haben Anspruch auf durchgängige Förderung über den ganzen Tag.
- Teamarbeit: Förderpläne müssen Vor- und Nachmittag umfassen. Lehrer, Sonderpädagogen und Erzieher müssen sich eng abstimmen, um Brüche in der Betreuung zu vermeiden.
- Struktur: Kinder mit Förderbedarf profitieren besonders von einem rhythmisierten Tag mit klaren Ruhe- und Entspannungsphasen.
- Bürokratieabbau: Die Beantragung von Integrationshelfern für Schule und Hort sollte vereinfacht und gebündelt werden.
Räume gestalten und Material bereitstellen
Da Kinder den ganzen Tag in der Schule verbringen, müssen Räume vielfältige Funktionen erfüllen (Lernen, Ruhen, Toben, Essen, Hygiene).
- Raumkonzept: Es braucht Rückzugsorte („Höhlen“), Werkstätten, Bewegungsräume und gemütliche Essbereiche. Kinder sollen an der Gestaltung beteiligt werden.
- Material: Spiel- und Lernmaterialien sollen frei zugänglich sein, kulturelle Vielfalt widerspiegeln und unterschiedliche Sinne ansprechen. Auch private Dinge der Kinder („Kinderkultur“) haben ihren Platz, solange sie nicht diskriminierend sind.
- Für Erwachsene: Auch Pädagogen benötigen Arbeitsplätze und Rückzugsräume für Pausen.
Die offene Ganztagsgrundschule als gesunde Schule gestalten
Gesundheit wird umfassend als körperliches und seelisches Wohlbefinden verstanden.
- Bewegung: Ausgleich zum Sitzen durch vielfältige Bewegungsanreize drinnen und draußen sowie bewegtes Lernen im Unterricht.
- Ernährung: Das Essen ist eine wichtige Bildungssituation. Eine angenehme Atmosphäre und ausreichend Zeit sind essenziell. Pädagogen sollten mitessen, um Beziehungen zu pflegen (Sprachförderung, informelle Gespräche).
- Partizipation: Kinder sollten bei der Speiseplanung beteiligt werden, um ein Bewusstsein für gesunde Ernährung zu entwickeln.
Den Umgang mit der Zeit gestalten – Schule und Unterricht rhythmisieren
Der starre 45-Minuten-Takt wird zugunsten flexiblerer Strukturen aufgelöst.
- Rhythmisierung: Der Tag wird in Phasen der Anspannung (Konzentration) und Entspannung gegliedert, angepasst an die Verfassung der Kinder, nicht nach der Schulklingel.
- Abstimmung: Vormittags- und Nachmittagsangebote werden verzahnt. Lehrer und Erzieher planen gemeinsam im Team, wer wann welche Phase übernimmt.
- Arbeitszeit: Dies erfordert neue Arbeitszeitmodelle für Lehrer (Präsenzzeit statt reiner Unterrichtszeit) und definierte Zeitfenster für Teambesprechungen (z. B. durch gegenseitige Vertretung der Teams).
Aufsicht als Erziehung zur Selbstständigkeit praktizieren
Aufsicht dient nicht primär der Kontrolle, sondern der Sicherheit und der Erziehung zur Selbstständigkeit.
- Grundsatz: Soviel Freiheit wie möglich, soviel Schutz wie nötig. Kinder sollen lernen, Gefahren selbst einzuschätzen.
- Vertrauen: Kinder können Räume oder das Gelände auch ohne direkte Aufsicht nutzen, wenn klare Regeln vereinbart wurden und sie sich daran halten („sich beaufsichtigt fühlen“ statt „überwacht werden“).
- Gemeinsame Aufgabe: Aufsicht ist Teil des pädagogischen Auftrags aller Fachkräfte (Lehrer und Erzieher gleichermaßen) und darf nicht vom Erziehungsauftrag getrennt werden.
Kooperationen gestalten
Die offene Ganztagsgrundschule versteht sich als Haus des Lernens, das auf enge Zusammenarbeit angewiesen ist. Der Erfolg hängt maßgeblich von der Überwindung des „Einzelkämpfertums“ ab. Kooperation muss auf allen Ebenen stattfinden: innerhalb des Kollegiums (zwischen Lehrkräften, Erziehern, Sonderpädagogen), mit den Eltern sowie nach außen mit Kitas, Jugendhilfe und anderen Partnern im Stadtteil.
Widersprüche und Stolpersteine der Zusammenarbeit
Die Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe bringt unterschiedliche Kulturen und Berufsprofile zusammen.
- Unterschiedliche Aufträge: Lehrer sind stärker dem Lehrplan und der Bewertung verpflichtet, Sozialpädagogen arbeiten offener und beziehungsorientierter.
- Konfliktfeld Hausaufgaben: Ein häufiger Konflikt entsteht, wenn Erzieher am Nachmittag auf die Rolle von „Hausaufgabenwächtern“ reduziert werden, statt ihren sozialpädagogischen Auftrag erfüllen zu können.
- Neue Anforderungen: Lehrer müssen Fähigkeiten entwickeln, die in ihrer Ausbildung oft fehlten (z. B. Gestaltung offener Freizeitangebote, Arbeit in multiprofessionellen Teams).
- Zeitressourcen: Ein zentrales Hindernis ist oft der Mangel an fest eingeplanten Zeiten für gemeinsame Absprachen und Planung.
Bedingungen für eine gelingende Kooperation
Damit die Zusammenarbeit funktioniert, müssen sechs Grundbedingungen erfüllt sein:
- Respekt und Achtung: Gegenseitige Wertschätzung der unterschiedlichen Professionen auf Augenhöhe (kein „Herabblicken“ der Schule auf die Betreuung).
- Information und Kommunikation: Regelmäßiger Austausch und gegenseitige Hospitationen, um das Expertenwissen des anderen kennenzulernen.
- Gemeinsame Ziele: Entwicklung eines gemeinsamen Leitbildes und Klärung der Frage: „Was braucht das Kind und wer kann was dafür tun?“
- Gemeinsame Handlungsfelder: Zusammenarbeit im Alltag (z. B. gemeinsames Mittagessen, Projekte) statt strikter Trennung von Vormittags- und Nachmittagszuständigkeiten.
- Ressourcen sichern: Kooperation gibt es nicht zum Nulltarif; sie benötigt fest verankerte Zeitbudgets und Strukturen im Dienstplan.
- Gewinn für alle: Die Kooperation muss für alle Beteiligten (Schule, Jugendhilfe, Eltern) einen erkennbaren Mehrwert bieten (z. B. Entlastung, mehr Einsicht in schulische Prozesse).
Konkretisierungen für die Entwicklung von Kooperation
Kooperation muss strukturell verankert werden, um nicht vom Zufall oder Einzelengagement abzuhängen.
- Systemisches Verständnis: Die Schule muss als Organisation begriffen werden, die sich ständig weiterentwickelt.
- Verbindliche Strukturen: Regelmäßige, fest im Dienstplan verankerte Teambesprechungen und klare Zuständigkeiten schaffen Verlässlichkeit.
- Schulprogramm: Das Ganztagskonzept wird als Teil des Schulprogramms gemeinsam von allen Beteiligten erarbeitet.
- Interdisziplinäre Teams: Bildung von festen Teams aus Lehrern und Erziehern für bestimmte Schülergruppen, die den ganzen Tag gemeinsam in den Blick nehmen (Vermeidung der Aufspaltung in „Lehr-“ und „Freizeit“).
- Partizipation: Einbeziehung aller Akteure, auch der Mitarbeiter freier Träger, in die Gremien und Entscheidungsprozesse der Schule.
Kooperationsverträge mit Freien Trägern der Jugendhilfe
Für eine langfristige Zusammenarbeit mit externen Trägern (z. B. für den Hortbereich) sind schriftliche Vereinbarungen unerlässlich.
- Sicherheit: Verträge schaffen Planungs- und Handlungssicherheit für beide Seiten.
- Inhaltliche Klärung: Der Prozess der Vertragsgestaltung zwingt dazu, sich über gemeinsame Ziele, Haltungen und Kompetenzen zu verständigen.
- Vorlagen: Es wird empfohlen, auf bestehende Musterverträge und Erfahrungen anderer Schulen zurückzugreifen.
Zusammenarbeit mit Eltern
Eltern repräsentieren die gesellschaftliche Vielfalt im Einzugsbereich der Schule. Da die offene Ganztagsschule einen erheblichen Teil des Tages der Kinder gestaltet, ist eine enge Partnerschaft mit den Eltern unverzichtbar. Es gilt, Ängste vor der Institution abzubauen und Eltern aktiv zu beteiligen, da sie eigene Rechte haben und der Schulerfolg oft von einer gelingenden Kooperation abhängt. Die Schule muss sich zu einer Einrichtung entwickeln, die die Erziehungskraft der Familie stärkt ("Empowerment").
Aufgaben für eine gelingende Zusammenarbeit mit Eltern
Für die Elternarbeit gelten dieselben Prinzipien wie für andere Kooperationen: Respekt, gegenseitige Information, Verfolgung gemeinsamer Ziele und das Schaffen von Strukturen, die einen Gewinn für beide Seiten bringen. Speziell müssen Schulen eine Willkommenskultur etablieren, die Eltern nicht als bloße Empfänger von Anweisungen, sondern als Partner auf Augenhöhe begreift.
Übergänge und Verbindungen zwischen Familie und offener Ganztagsschule schaffen
Da Kinder den Großteil des Tages in der Schule verbringen, entfallen klassische "Hausaufgaben" als Fenster für Eltern in den Schulalltag. Die Schule muss daher neue Wege der Rückmeldung schaffen (z. B. Lerntagebücher, Portfolios, regelmäßige "Ranzenpost"), damit Eltern Anteil an der Entwicklung ihres Kindes nehmen können. Übergänge (wie der Schulanfang) müssen so gestaltet werden, dass sie den emotionalen Bedürfnissen des Kindes gerecht werden. Zudem muss die Erreichbarkeit der Pädagogen (Telefon, E-Mail) für Eltern gewährleistet sein.
Eltern als Experten der Lebenssituation ihrer Kinder ernstnehmen
Eltern sind die wichtigsten Bezugspersonen und kennen ihr Kind am besten. Pädagogen sollten dieses Expertenwissen wertschätzen und nutzen, statt es abzuwerten. Ein respektvoller Dialog über die häuslichen Gewohnheiten und Vorlieben des Kindes (z. B. in Aufnahmegesprächen) signalisiert Anerkennung und erleichtert dem Kind das Ankommen in der Schule. Auch schwierige familiäre Situationen sollten angstfrei thematisiert werden können.
Den Blick auf die Situation der Familie erweitern
Die Ganztagsschule hat eine wichtige sozialpolitische Funktion zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Pädagogen müssen die konkreten Lebensumstände (Arbeitszeiten, Einkommen, Wohnsituation, Geschwister) bei Entscheidungen berücksichtigen. Das bedeutet beispielsweise Sensibilität bei finanziellen Forderungen (z. B. für Klassenfahrten) und das Angebot von Randbetreuungszeiten bei Elternabenden, um die Teilnahme zu ermöglichen.
Interessensvertretung ermöglichen und fördern
Formale Gremienarbeit reicht oft nicht aus, um alle Eltern zu erreichen. Die Schule muss aktiv eine "Kultur der Mitverantwortung" fördern. Dazu gehören niederschwellige Angebote wie Elterncafés, Stammtische oder Familienfeste, die den Austausch erleichtern. Regelmäßige Zufriedenheitsbefragungen (auch mehrsprachig) und ein transparentes Beschwerdemanagement helfen, die Interessen aller Eltern – nicht nur der wortgewaltigen – zu erfassen.
Kompetenzen der Eltern erkennen und nutzen
Eltern verfügen über vielfältige berufliche und private Fähigkeiten, die den Schulalltag bereichern können (z. B. als Lesepaten, Experten im Unterricht, Handwerker oder IT-Unterstützer). Oft werden sie nur für Hilfsdienste (Kuchenbuffet) angefragt, statt ihre wirklichen Potenziale zu nutzen. Eine echte Beteiligungskultur motiviert Eltern zu bürgerschaftlichem Engagement, während bloße Inanspruchnahme ohne Mitsprache als Ausnutzung empfunden wird.
Ehrenamtliche und institutionelle Angebote kombinieren
Das professionelle pädagogische Angebot bildet die Basis der Ganztagsschule. Darauf aufbauend können ehrenamtliche Beiträge von Eltern und anderen Freiwilligen das Schulleben ergänzen (z. B. Schulchor, Bibliotheksbetreuung). Wichtig ist eine gute Balance: Das Ehrenamt darf keine Lückenbüßer-Funktion haben, sondern soll als wertvolle Ergänzung mit eigenen Gestaltungsmöglichkeiten integriert werden.
Qualitätsentwicklung planen, Schulkultur gestalten, Schulqualität sichern
Berliner Schulen stehen unter hohem Innovationsdruck. Die Qualitätsentwicklung ist eine Daueraufgabe für alle Beteiligten, da Schulen ihre Grundsätze für Unterricht und Erziehung im Rahmen der staatlichen Verantwortung selbst bestimmen müssen. Starke Schulleitungen spielen hierbei eine Schlüsselrolle, um Reformbemühungen zu unterstützen und Ressourcen bereitzustellen. Qualitätsentwicklung wird als gemeinsame Aufgabe von Lehrkräften, Erziehern, Eltern und Partnern verstanden.
Aufgabenfelder
Aus der längeren Verweildauer der Kinder und der multiprofessionellen Zusammensetzung ergeben sich fünf zentrale Gestaltungsaufgaben:
- Anregungsreichtum und Rückzugsmöglichkeiten sicherstellen: Die Schule als Lebensort muss eine anregende Lernumgebung bieten, aber ebenso Rückzugsorte für unbeobachtete Erholung und selbstbestimmtes Tun, um Kreativität und Selbstständigkeit zu fördern.
- Schule als Lebensort gestalten: Es geht um die „Beheimatung“ der Kinder. Sie sollen Geborgenheit in vertrauten Gruppen erleben, statt nur „aufbewahrt“ zu werden.
- Die Kinder beteiligen: Umgangsformen und Regeln werden gemeinsam ausgehandelt. Durch Gremien wie Klassenrat und Schulparlament lernen Kinder Demokratie und Mitbestimmung.
- Die Teamstrukturen gestalten: Die Zusammenarbeit der verschiedenen Professionen muss systematisch gestaltet sein und auf wechselseitigem Respekt und Vertrauen basieren.
- Eltern beteiligen: Eltern sollen nicht entlastet, sondern aktiv eingebunden werden, um ihre Kompetenzen für die Qualitätsentwicklung der Schule zu nutzen.
Leitideen
Leitideen dienen der Orientierung und spiegeln das Ethos der Einrichtung wider. Neben den allgemeinen Zielen der Persönlichkeitsförderung und Demokratieerziehung stehen für die Ganztagsschule spezifische Aspekte im Fokus:
- Das Wohlbefinden der Kinder als Voraussetzung für Lernen.
- Eine gelingende Rhythmisierung des Tages (Wechsel von Anspannung und Entspannung).
- Anspruchsvolle unterrichtsergänzende Bildungsangebote über den ganzen Tag.
- Eine fruchtbare Kooperation aller „Bildungsarbeiter“ (Lehrer, Erzieher, Eltern). Jede Schule muss diese Leitideen in eigenen Diskursen für sich konkretisieren.
Instrumente der Qualitätsentwicklung
Um die Entwicklung systematisch voranzutreiben, stehen bewährte Instrumente zur Verfügung:
- Schulentwicklungsgruppen: Kleine, gemischte Arbeitsgruppen (Lehrer, Erzieher, Eltern) bearbeiten zeitlich befristet konkrete Themen (z. B. Raumgestaltung) und arbeiten den Entscheidungsgremien zu. Jeder Pädagoge sollte in einer Gruppe mitwirken.
- Die Steuergruppe: Ein gewähltes Gremium aus Vertretern aller Gruppen (nicht nur Schulleitung), das den Gesamtprozess koordiniert, den Informationsfluss sichert und die Arbeitsgruppen unterstützt.
- Zielvereinbarungen: Schriftliche Abmachungen der Arbeitsgruppen (nach SMART-Kriterien: spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch, terminiert). Sie schaffen Verbindlichkeit und Transparenz darüber, wer bis wann was erreicht haben will.
Evaluation und Qualitätssicherung
Evaluation dient der Weiterentwicklung und Sicherung der Qualität. Interne und externe Evaluation ergänzen sich.
- Interne Evaluation: Die Schule vergewissert sich ihrer Stärken und identifiziert Entwicklungsbedarf. Dies erfordert gemeinsame Reflexionszeiten (z. B. Studientage), um Handlungspläne zu erarbeiten. Externe Berater können diesen Prozess methodisch unterstützen.
- Externe Evaluation: Erfolgt durch Schulinspektionen und Vergleichsarbeiten. Deren Ergebnisse fließen in die interne Arbeit ein.
- Prozess: Evaluation ist ein Kreislauf aus Bestandsaufnahme, Zielsetzung, Maßnahmenplanung und Überprüfung.
Entwicklungsziele
Entwicklungsziele konkretisieren die abstrakten Leitideen für das Alltagshandeln. Sie dienen als Wegmarken und Qualitätskriterien für die Evaluation. Wichtig ist, dass nicht alle Ziele sofort erreicht werden müssen, sondern als Orientierung für einen dauerhaften Prozess dienen. Die Ziele gliedern sich in Bereiche wie:
- Physisches und psychisches Wohl: Feste Bezugspersonen, Rückzugsorte, gesundes Essen, Bewegungszeiten.
- Selbstständigkeit und Mitwirkung: Beteiligung der Kinder an Planung, Klassenrat, Schulparlament.
- Integration: Anspruchsvolle Angebote für Begabte, durchgängige Förderung für Kinder mit Behinderung, gemeinsame Förderpläne.
- Raumgestaltung: Kindergerechte, ästhetische Räume, Werkstätten, Ruhezonen, Sauberkeit.
- Umgang mit der Zeit: Rhythmisierter Tag ohne 45-Minuten-Takt, gleitende Übergänge.
- Kooperation: Feste Klassenteams aus Lehrern und Erziehern, gemeinsame Besprechungszeiten, Kooperationsverträge.
- Zusammenarbeit mit Eltern: Willkommenskultur, regelmäßiges Feedback, Beschwerdemanagement.
- Qualitätssicherung: Etablierte Steuergruppen, regelmäßige Evaluation, Fortbildung in Evaluationstechniken.
