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Achtung! Schulwarnung!

Das hier ist eine Warnung vor der Elbe-Schule! Eine, die ich gerne gehört hätte, bevor ich die Schule für meinen Sohn akzeptiert habe.

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Die Fassade der Elbe-Schule 

Wir haben den wohl weitesten Schulweg und wären nie auf die Idee gekommen, unseren Sohn zur Elbe-Schule zu geben. Warum sind wir dort?

Unsere Einzugschule hat einen extrem hohen Anteil von Familien, die durch das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) und Lernmittelbefreiuung gefördert werden. Mein Sohn hatte eine Wald-Kita-Karriere hinter sich, seine Mutter ist selber Lehrerin, sie hat an der Einzugschule hospitiert. Die Einzugsschule kam für uns nicht in Frage. 

Ich war in der Event-Branche und Corona machte mich schlagartig arbeitslos. Das hatte zur Folge, dass ich mich viel um meinen Sohn kümmern konnte. Ich las ihm sehr viel vor, wir philosophierten, spielten, redeten, bauten... Mein Sohn ist wohl auch deshalb sehr pfiffig.

Vor der Einschulung hatten wir Gespräche mit dem SIBUZ, um uns beraten zu lassen, wie wir verhindern könnten, dass die Schule unseren Sohn langweilt. Der Rat: "Versuchen Sie die Jenaplan- oder die Karlsgarten-Schule. Die sind richtig gut". Leider aber völlig überlaufen, deshalb gab es Plätze nur nach Losverfahren. Wir wurden nicht gelost, an keiner. Das Schulamt schlug die Elbe-Schule als "Last Exit" vor. Elbe-Schule? Hmmmm...

Am "Tag der offenen Tür" läuft man durch Klassenzimmer, redet mit Lehrer:innen, mit Schüler:innen und evtl. sogar der Schulleitung. Alle sind bemüht, die Schule gut dastehen zu lassen: "Die Elbe-Schule ist besser als ihr Ruf". Auch die Elterninitiative der Elbe-Schule vermittelte uns Gutes. Sie widmet sich der "Durchmischung" der Schülerschaft, will die Trennung der Kulturen, die Parallelgesellschaft, die es im sehr migrantisch geprägten Kiez faktisch gibt, an der Schule verhindern. Fand ich gut. Unsere Schule sollte keine weiße Blase sein, sondern meinem Sohn auch Diversität zeigen. Wir hörten uns also all die positiven Berichte an. Die Elbe-Schule erschien uns schließlich besser als unsere Einzugsschule und wir akzeptierten. Elbe-Schule also, statt Jenaplan, statt Karlsgarten.

Der Weg zum aufgeklärten Elternteil

Ich engagierte mich. Ich besorgte auf die Bitte der Klassenlehrerin hin ein Sofa für das Klassenzimmer, fuhr es an und wieder ab, weil die Schule feststellte, dass nur zertifiziert feuerfeste Möbel gestattet sind. Sofa zur BSR. Ich stellte 20 Kameras für die Kinder zur Verfügung und begleitete Fotoausflüge, bot die Einrichtung eines schuleigenen Fotostudios an, recherchierte die Historie der Schule im Landesarchiv Berlin, um eine Ausstellung anlässlich der Sanierung zu machen. Ich baute eine neue Webseite für die Elterninitiative. Ich engagierte mich, materiell sozusagen.

Ich habe mich allerdings lange darauf verlassen, dass die Schule pädagogisch gut genug für meinen Sohn ist. Ich bin Programmierer und hatte weder Ahnung von pädagogischen Konzepten noch von Schule überhaupt. Dass ich mich auch programmatisch engagieren könnte, war mir gar nicht klar.

Dann aber forderte die Klassenlehrerin uns Eltern auf, unseren Sohn zu unterstützen, er weigere sich, Rechtschreibung zu üben. Das setzte bei mir dann eine ganze Kaskade von Ereignissen und Erkenntnissen in Gang.

Zuerst sah ich mich genötigt, ein Eltern-Recht an der Schule zu erkämpfen, nämlich meinen Sohn vor Ort zu unterstützen, indem ich mich nach der Schule mit ihm irgendwo hinsetze und mit ihm seine Schulaufgaben durchgehe. Bis heute erfolglos. Die Schule weigert sich nach wie vor, mir mein Recht zuzugestehen. Und das obwohl es eine klare Anweisung der Aufsicht dazu gegeben hat, obwohl es jede Menge leere Tische und Stühle gibt, obwohl die Schule aufgefordert ist, mich als "Bildungspartner" und die Schule als "Lebensraum" einzustufen.

Ich interessierte mich infolge dieses skurrilen Kampfes erstmals überhaupt für Schulen und pädagogische Konzepte und die Motoren, die das ganze Schulwesen antrieben.  Ich kenne mich in einigen Bereichen inzwischen wohl besser aus als manche Lehrkraft, glaube ich. Vieles, was ich im Laufe dieser Kaskade von Abenteuern gelernt habe, ist allgemeiner Natur und gilt wohl für alle Schulen. Zum Beispiel die Antwort auf die Frage:

Was ist überhaupt eine gute Schule?

Das "Berliner Bildungsprogramm" (BBP), behauptet, dass eine Schule, die das Programm umsetzt, eine "gute" Schule sei. 

Als ich das erste mal das BBP las, war ich wirklich erstaunt: Es ist, zumal für jemanden, der in den 70ern zur Schule ging - wirklich progressiv. Es basiert auf Wissenschaft und Erfahrung: Reformpädagogik, kognitive Entwicklungspsychologie, PISA-Studien, kontinuierliche Evaluationen.

Dabei ist es äußerst pragmatisch und flexibel: Es hat nicht den Anspruch, per sofort und allumfassend realisierbar zu sein. Selbst die Leute, die maßgeblich daran arbeiten, z.B. das Berliner Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung (BLiQ), sagten mir, es sei nicht zu erwarten, dass es sich schnell und in Gänze an Schulen implementieren ließe. Es müsse sich an Realität und Machbarkeit orientieren. In den Telefonaten mit dem BLiQ und der Serviceagentur Ganztagsschule (SAG) allerdings merkte ich, wie sehr die Leute, die damit zu tun hatten, dahinterstanden. "Eine Schule, die das BBP umsetzt, ist eine gute Schule." Ich habe es gelesen, und ich teile diese Meinung. Ich selbst brauche auch eine Definition, einen Rahmen, um eine Schule einschätzen und beurteilen zu können. Im BBP kann man ihn tatsächlich finden. So oder so: Es ist der gesetzliche Rahmen aller Berliner Schulen. Daran muss sich jede Schule messen lassen. 

Allerdings hörte ich "unter dem Tisch" aus dem BLiQ, Zitat: "Herr Hoppe, Sie werden auf große Widerstände stoßen. Viele Schulen sind noch nicht bereit, ein derart progressives Programm umzusetzen. Deshalb brauchen wir Eltern wie Sie, die da Druck machen! Sein Sie ein Terrier! Beissen Sie zu und lassen Sie nicht mehr los!"

Nachdem ich nun selbst schon vom BBP überzeugt war und mir dann auch noch diese inoffizielle, behördliche Legitimation zuteil wurde, fing ich an, mich zu fragen, was davon an der Elbe-Schule zu finden ist und ich begann, die Elbe-Schule daran zu messen.

Warum die Elbe-Schule keine gute Schule ist

Ich komme dabei zu einem niederschmetternden Urteil: Die Elbe-Schule ist bei der Umsetzung des BBP weit, weit hintendran. Ein Beispiel: Im BBP wird klar gefordert, dass es keine Hausaufgaben mehr geben soll. Begründung: Wenn Kinder von 08:00-16:00 Uhr in der Schule waren, sollen sie danach Feierabend haben. Als unsere Klassenlehrerin uns aufforderte, unseren Sohn bei seinen Hausaufgaben zu unterstützen, war ihr das offensichtlich gänzlich unbekannt. So wie mir. 

Das BBP fordert ganz klar, dass Kinder ihre Schulaufgaben in der Schule machen, und zwar betreut im "eFöB", das ist das, was früher der "Hort" war. Nach BBP gibt es den aber nicht mehr, sondern eine "eFöB" = erweiterte Förderung und Betreuung. Danach sollen Kinder im "eFöB-Bereich", also nachmittags, betreut ihre Schulaufgaben machen und das Personal soll im Austausch mit den Lehrern stehen. Das ist an der Elbe-Schule auch nicht im entferntesten umgesetzt worden. Und mir selbst wurde verweigert, meinen Sohn im eFöB zu fördern. Das war im Jahr 2026.

Auch in Sachen Elternarbeit, Transparenz, Partizipation, Qualitätsicherung, Rhythmisierung klaffen Welten zwischen dem Anpruch des BBP und der Elbe-Schule.

Ich nehme hier kein Blatt vor den Mund. Es geht mir um Ehrlichkeit für Newbie-Eltern, die, so wie ich damals, keine oder kaum Ahnung haben, auf was man bei Schulen achten sollte, um etwas fundierter entscheiden zu können. Heute sind wir Eltern uns einig, dass wir uns damals besser aus der Schule hätten herausklagen sollen. Aber wir wussten es ja nicht besser. Und jetzt haben wir den Salat. Wir haben erfahren, dass unser Sohn massiv im Lernstand zurückhängt. Nicht an der Elbe-Schule selbst, sondern im Vergleich zu dem Lernstand, den er haben müsste. Und könnte. Unser Sohn durfte nämlich kurze Zeit an der Karlsgarten-Schule hospitieren, kann aber nicht wechseln, weil er zu schlecht ist. An der Elbe-Schule ist er es nicht. Dort ist das Niveau ganz einfach niedrig. 

Die Elbe-Schule ist besonders schwierig einzuschätzen: Sie wird in Zukunft nämlich hübsch aussehen: Frisch saniert und renoviert, neu gestalteter Schulhof. Das macht es noch schwerer, ein wirklich valides Urteil zu fällen. Und die Schule hat, wie gesagt, eine Elternintiative, die eine "Durchmischungs"-Agenda verfolgt und sehr überzeugend wirbt. Das hat auch nicht jede Schule. Die Elterninitiative und die neue Fassade überstrahlen aber das, was dahinter stattfindet:

  • mangelnde Differenzierung mündet in schlechter Unterrichtsqualität
  • Elternarbeit, die sich auf das Niveau von Plätzchenbacken und Hilfe beim Schulfest beschränkt
  • ein heimlicher Ausschluss aller Eltern von der einzigen programmatischen Mitwirkungsmöglichkeit an der pädagogischen Ausrichtung der Schule
  • ein fragwürdiges Verständnis der Aufgaben des GEV-Vorstands, der gleichzeitig auch die Elterninitiative ist
  • die fragwürdige Krisenbewältigung im Fall des BR24-Skandals lässt Rückschlüsse auf den Umgang mit Eltern und Schulpersonal zu

All das ist hinter der weißen Fassade und dem bald neuen Schulhof nicht gut zu sehen. 

Das will ich ändern, weil ich all das gerne gewusst hätte, bevor ich regelrecht gezwungen wurde, mir all das selbst zu erarbeiten. Wenn ich hiermit erreichen kann, dass Eltern gezielte Fragen stellen, dann freue ich mich.


Plädoyer für pädagogische Ehrlichkeit

Die Karlsgarten-Schule, unsere Einschulungs-Wunschschule, bot April 2026 an, dass unser Sohn eine Woche dort hospitieren könne, man habe einen Platz für die vierte Klasse frei. Nach dieser Hospitation wurde klar, dass mein Sohn nicht würde wechseln können. Sein Lernstand war zu niedrig. Mir wurde klar, dass die Elbe-Schule ein systemisches Problem hat. Daraus resultierte mein Artikel:

Stirb, Utopie!





Wie die Kinder! Mein Kampf um einen Tisch und zwei Stühle.

Mein Sohn hat sich an der Elbe-Schule gelangweilt. Anfangs ging er begeistert, wie alle Kinder nach der Kita, das ebbte aber schnell ab. Er kam aus einer Waldspiel-Kita. Als seine Klassenlehrerin uns Eltern zu sich rief, um uns aufzufordern, ihn zu unterstützen, begann eine Odyssee für mich, mit der ich nicht gerechnet hatte.

COMIC I: Wie die Kinder!



400 Eltern. 0 Partizipation.

Ich lernte die neue Schulleiterin kennen. Sie beeindruckte mich. Sie trat resolut und durchsetzungsfähig auf und ich war überzeugt, dass mit ihr bald ein neuer, progressiver, modernerer Wind durch die Schule wehen würde. Dann fand ich durch Zufall heraus, dass die Schulleitung die gesamte Elternschaft bei einem ganz wesentlichen Prozess ausschloss. Mich inklusive. Das habe ich dokumentiert in

Das Fassadenschulprogramm der Elbe-Schule
 oder - etwas amüsanter - in

COMIC II: 400 Stimmen. 0 Partizipation.



Kinder der Elbe-Schule auf rechtsextremen Webseiten

Die Schulleitung ließ ein Filmteam ohne gültige Einwilligung der Eltern Dreharbeiten auf dem Schulgelände durchführen. Die Schule rutschte in einen bundesweiten Skandal. Kinder der Schule landeten auf rechtsextremen Webseiten, wo sie bis dato dazu benutzt werden, gegen Muslime zu hetzen. Sowohl das fahrlässige Verhalten der Schulleitung als auch die "Aufarbeitung" danach waren katastrophal.

Der Skandal um den BR24-Beitrag zum Thema Extremismus



 

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